Kulturleitbild
Zürichs «glokaler» Spagat in der Kultur

Der Kulturbetrieb gehört nicht gerade zu den innovativsten Sparten, auch wenn Kreativität sein Metier ist. Wer Althergebrachtes ändern oder abschaffen will, stösst auf Widerstand.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Der Erweiterungsbau des Kunsthauses ist grösser als umliegende Liegenschaften: Das müsse nicht per se negativ sein, sagt das Gericht.

Der Erweiterungsbau des Kunsthauses ist grösser als umliegende Liegenschaften: Das müsse nicht per se negativ sein, sagt das Gericht.

Visualisierung zvg AEROcamera

Dies mussten Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch und ihr Kultur-Direktor Peter Haerle erfahren, als sie das Literaturmuseum Strauhof schliessen wollten, um ein Junges Literatur Labor (Jull) zu lancieren. Resultat: Das Literaturmuseum bleibt, wenn auch mit neuer Trägerschaft, und das Jull kommt, wenn auch andernorts als ursprünglich geplant.

Am Mittwoch präsentierten Mauch und Haerle ihr Kulturleitbild 2016-2019. Mauch warnte: «Wir können nicht alle vier Jahre das kulturelle Angebot Zürichs neu erfinden.» Grössere Neuerfindungen sucht man denn auch vergebens im Leitbild. Mehr Geld für die Freie Szene und für die Filmförderung, ein paar wenige Abstriche bei kleineren Veranstaltungen – und damit hat sichs.

Unter dem Strich wachsen Zürichs Kulturausgaben von 102,4 Millionen Franken (2014) auf 108,2 Millionen (2019) an, falls das Stadtparlament mitmacht. Den Löwenanteil, rund 80 Millionen Franken, fressen dabei die grossen Kulturhäuser. Prozentual steigen jedoch die Beiträge an die freie Szene am stärksten an. So wollen Mauch und Haerle der «Glokalisierung» gerecht werden, wie sie es nennen. Soll heissen: Gleichzeitig globale Ausstrahlung erreichen und lokale Identität schaffen. Es ist ein Spagat, doch bislang ist er nicht schlecht gelungen. Auch für die Zukunft erscheint die Mischung aus Akzentverschiebungen im Kleinen und Weiterentwicklungen im Grossen – genannt seien die Kunsthaus-Erweiterung, die Tonhalle-Renovation und die Kunstbiennale Manifesta 2016 – erfolgversprechend.