Kommentar
Zürichs Boom ist nicht so einfach

Rechts und links streiten darüber, warum die Stadt Zürich 2016 ein Rekordergebnis erzielte.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Stadt Zürich verzeichnete im Jahr 2016 ein Plus von 288 Millionen Franken. (Archivbild)

Stadt Zürich verzeichnete im Jahr 2016 ein Plus von 288 Millionen Franken. (Archivbild)

/KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Stadt Zürich geht es gut. Sehr gut sogar: Sie hat letztes Jahr 288 Millionen Franken Gewinn erreicht und ihr Eigenkapital erstmals überhaupt auf über eine Milliarde Franken hochgewirtschaftet, wie Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) gestern bekannt gab. Und wie es so geht im Politgeschäft: Sogleich ist Parteienstreit entbrannt über dieses gute Ergebnis. Ist es so gut, weil der seit 27 Jahren rot-grün dominierte Stadtrat so eine gute Politik macht, wie die SP nahelegt? Oder weil einfach die Wirtschaft in Zürich so schön brummt, wie FDP und SVP betonen?

Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte. Selbstverständlich profitiert die Wirtschaftsmetropole vom Brummen der Wirtschaft. Genauso, wie ihr die Finanzkrise vor bald zehn Jahren den Boden unter den Füssen wegzuziehen drohte. Doch Zürich boomt nicht nur wirtschaftlich, auch die Bevölkerung wächst. Natürlich hängt auch hier das eine mit dem anderen zusammen.

Aber Zürich boomt nicht einfach so. Der Boom der Stadt hat auch mit ihrer Lebensqualität zu tun. Mit ihrem Stellenwert als Bildungsstandort. Mit ihrem vielfältigen kulturellen Mix. Mit einem attraktiven Wohnungsangebot. Mit Wohnlagen, die nicht durch Verkehrslawinen verunstaltet sind. Zu alldem hat die rot-grün geprägte Stadtzürcher Politik der letzten 27 Jahre viel beigetragen. Doch der Boom hat auch seine Schattenseite, auf die die AL gestern zu Recht hinwies: Einkommensschwache Schichten werden tendenziell aus weiten Gebieten der Stadt verdrängt. Auch hier darf die Politik nicht tatenlos zusehen. Zürichs Boom ist nicht so einfach.