Dietikon
Zu viele Widersprüche

Das Stadtzentrum ist des Dietikers liebstes Streitobjekt. Viel zu unattraktiv sei es, wird lamentiert. Kein Wunder werden seit Jahrzehnten Ideen gewälzt wie der Ortskern aufgewertet werden kann.

Jürg Krebs
Jürg Krebs
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Das Zentrum Dietikon

Das Zentrum Dietikon

Zur Verfügung gestellt
Störfaktoren im Zentrum Dietikon.

Störfaktoren im Zentrum Dietikon.

Limmattaler Zeitung

Busbahnhof, Velohaus, Markthalle, Kirchplatz, Marmorböden, regelmässige Veranstaltungen – geholfen hat offenbar nichts, um mehr Kunden in die Geschäfte zu bringen. Im Gegenteil: Nun zeigt eine gemeinsame Untersuchung der Vereinigung Zentrum Dietikon und der städtischen Standortförderung: Das Zentrum ist zu verzettelt, der Branchenmix zu schlecht und es gibt zu viel Verkehr. Dabei hat es Dietikon als Einkaufsort zwischen dem Shopping Spreitenbach und Bahnhofstrasse Zürich ohnehin schwer.

Doch die Entwicklung des Stadtzentrums war immer auch die Geschichte von Widersprüchen. Der Verkehr wird kritisiert, eine verkehrsreduzierte Fussgängerzone zwischen Hotel Krone, Bahnhof und Hotel Sommerau-Ticino lässt aber seit Jahren auf sich warten. Und statt den Ortskern aufzuwerten, wird im Limmatfeld mit dem Rapidplatz eine Konkurrenz aufgebaut – umgeben von zahlreichen weiteren Läden, die verzweifelt auf Kundschaft hoffen.

Auch diesmal fehlt es nicht an Ideen, wie mehr Leute ins Zentrum gebracht werden. Doch vielleicht unterliegt dieses Konzept einer Täuschung. Die Realität zeigt in eine andere Richtung: Der Ortskern hat seine gesellschaftliche Bedeutung als Treffpunkt verloren, seit das Internet und Mobiletelefonie das Kommunikationsverhalten fundamental verändert haben. Auch als Einkaufsort entspricht ein Zentrum nicht mehr einem primären Bedürfnis. In einer mobilen Welt ist der Sprung ins Einkaufszentrum schnell gemacht, und dort ist nicht mehr als in einem Zentrum zu haben, sondern alles. Das Shopville im Zürcher Hauptbahnhof zeigt überdies, dass nicht nur werktags entlang der Pendlerströme eingekauft wird. Doch gerade daraus mag Dietikon sogar Hoffnung schöpfen, denn das Zentrum beim Bahnhof ist mitten drin im Pendlerstrom.