Wochenkommentar zur Sommerserie «Leben vor 100 Jahren»
Wir machen Limmattaler Geschichte

Geschichte ist spannend - gerade wenn sie die eigenen Wurzeln beleuchtet. Und genau das tun wir mit unserer Sommerserie. Wir lassen das Limmattal aufleben, wie es 1914 Jahren war - und dies mit viel Liebe fürs Detail.

Jürg Krebs
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Ein Limmattaler Ehepaar, das 1916 geheiratet hat.

Ein Limmattaler Ehepaar, das 1916 geheiratet hat.

Ortsmuseum Urdorf

Der Juli 1914 war der Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Der offizielle Beginn war der 28. Juli. An diesem Tag vor 100 Jahren erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg und löste damit eine Kettenreaktion ungeahnten Ausmasses aus, die erst 1918 gestoppt werden konnte. Den Weltkrieg und seine Folgen auf die neutrale Schweiz haben wir in der Ausgabe vom 28. Juni eingehend beschrieben. In jener Ausgabe blickten wir speziell auf das Limmattal und titelten: «Auf einen Schlag war das Tal wie ausgestorben». Gleichzeitig lebte in der Redaktion eine Idee auf: Wie war das eigentlich damals vor 100 Jahren in den Gemeinden des Bezirks Dietikon? Die Idee für die Sommerserie war geboren: «Leben vor 100 Jahren».

Nicht der Krieg, das Leben interessiert uns

Über den Krieg und seine Hintergründe und Folgen ist viel berichtet worden in den vergangenen Monaten dieses zweifelhaften Jubiläums – über das Leben nicht. Uns interessiert der Alltag der Menschen am Vorabend der Katastrophe. Wie sah das Limmattal aus? Wovon lebten die Menschen? Wo gingen sie zur Arbeit? In welchem Verhältnis stand das Limmattal zur grossen Stadt Zürich? Diesen und weiteren Fragen werden wir in den nächsten Wochen in loser Folge nachgehen. Wir machen quasi Limmattaler Geschichte lebendig.

Die Recherchen für die Serie waren knifflig. Ein zusammenhängendes Geschichtswerk über den Bezirk Dietikon gibt es nicht. Dankbar konnten wir aber auf die Quellen und Chroniken jener Leute zurückgreifen, die sie in den letzten 100 Jahren gesammelt und zusammengestellt hatten.

Es gibt einige von ihnen, etwa den Dietiker Karl Heid, den Weininger Leo Niggli oder den Unterengstringer Jakob Meier, viele wichtige habe ich nicht erwähnt. Einzelne Gemeinden geben regelmässig – zum Teil thematische – Jahrhefte heraus, die eine Fundgrube an Geschichten und Anekdoten darstellen. So manches Ortsmuseum hat uns nicht zuletzt mit Bildmaterial hilfsbereit unterstützt.

Wir haben versucht, den Blick aufs Ganze zu lenken, die einzelnen Puzzlesteine zu Bildern zusammenzusetzen. Bilder, die einen Eindruck von 1914 vermitteln sollen. Das Thema heute: Wie sah das Limmattal 1914 überhaupt aus? Der Vergleich mit heute ist spannend.

Witziges, Überraschendes und manches Aha-Erlebnis

Wir sind im Zuge der Recherchen auf Witziges gestossen, auf Überraschendes, und immer wieder überkam uns ein Aha-Erlebnis. Denn eines ist klar: Der Charakter des Bezirks Dietikon kristallisierte sich in jenen Jahren heraus. Eine ländliche Region vor den Toren der Stadt Zürich befand sich im Wandel. Die Gegensätze von heute nahmen damals Konturen an. Aus den einzelnen Bauernhöfen rechts der Limmat und im Reppischtal wurden Dörfer. Aus den Dörfern links der Limmat wurden Zentren, in denen die Industrialisierung den Dorfcharakter nachhaltig und unwiederbringlich veränderte.

Wir hoffen, dass diese Serie für die alteingesessenen Bewohner des Bezirks Dietikon eine Begegnung mit der eigenen Geschichte darstellt. Und für die Neuzuzüger ein Kennenlernen dieser so spannenden Region.

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