Kommentar
Wer nicht A sagen will, muss auch nicht B hören wollen

Das Schlieremer Parlament will keine Weiterführung seines Projets Urbain – ein kurzsichtiger Entscheid.

Sophie Rüesch
Sophie Rüesch
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Bildvon den Aufräumtagen des Färberhüsli im Spitalquartier.

Bildvon den Aufräumtagen des Färberhüsli im Spitalquartier.

Florian Niedermann

Eine bürgerliche Mehrheit im Parlament erteilte dem Stadtentwicklungsprojekt Schlieren Südwest am Montag eine deutliche Absage. Das war zu erwarten. Weniger bedauerlich ist dieser Entscheid deshalb nicht.

Das Projekt, das im Rahmen des Bundesprogramms «Projets Urbains» – und dadurch mit einem Anschub-Finanzierungsbeitrag des Bundes – für eine bessere Vernetzung der Bewohner innerhalb des wachsenden Quartiers sorgen sollte, hatte von Beginn weg eine Sollbruchstelle: Irgendwann würden die Gelder des Bundes wegfallen.

Und die Integrationsarbeit, die während der 2011 gestarteten Pilotphase geleistet wurde, ist wie bei allen solchen Projekten schlecht quantifizierbar. «Wir haben pro Monat 4,3 Zuzüger integrieren können» – solche Bilanzen wären so unseriös wie absurd.

Es war für die Gegner des Projekts also allzu einfach, von einem nicht nachweisbaren Erfolg zu sprechen, allzu einfach, den Nutzen angesichts der vom Stadtrat beantragten Kosten von 225 000 Franken pro Jahr infrage zu stellen.

Klar ist aber auch: Das Projekt Schlieren Südwest war ein sauber aufgegleistes Integrationsprojekt. Mit der Hochschule für soziale Arbeit Luzern und dem Bund im Rücken leisteten die Freiwilligen um Quartierkoordinatorin Sarah Huber wertvolle Arbeit.

Im rasant wachsenden Schlieren wird der schwindende Zusammenhalt, die zunehmende Anonymisierung gern – und bestimmt auch teils zu Recht – beklagt. Und das meist von den gleichen, die den Lösungen im Weg stehen, sobald sie etwas kosten.