Lohnungleichheit
Warum Frauenlöhne zu oft zu tief sind

Männer verdienen im Kanton Zürich noch immer 19 Prozent mehr als Frauen.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Mutterschaft ist gemäss einer Studie ein Hauptfaktor für die Lohnunterschiede (Symbolbild)

Mutterschaft ist gemäss einer Studie ein Hauptfaktor für die Lohnunterschiede (Symbolbild)

Keystone

Manchmal lohnt es sich, alte Gesetze zu lesen – etwa das Gleichstellungsgesetz: «Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen aufgrund ihres Geschlechts weder direkt noch indirekt benachteiligt werden, namentlich nicht unter Berufung auf den Zivilstand, auf die familiäre Situation oder, bei Arbeitnehmerinnen, auf eine Schwangerschaft. Das Verbot gilt insbesondere für die (...) Entlöhnung (...).» 20 Jahre ist es her, seit dieses Gesetz in Kraft trat. Zwei Tage ist es her, seit eine kantonale Studie kundtat: Männer verdienen im Kanton Zürich 19 Prozent mehr als Frauen. Der «nicht erklärbare» Lohnunterschied belaufe sich auf 8,7 Prozent. Mutterschaft sei ein Hauptfaktor für die Lohnunterschiede. Schweizweit sehe es nicht viel besser aus.

Drei Hauptgründe gibt es dafür: Erstens fehlen griffige Kontrollmechanismen. Einen zaghaften Ansatz dazu lancierte der Bundesrat letzten Herbst: Firmen mit über 50 Angestellten sollten alle vier Jahre die Löhne ihrer Angestellten analysieren und durch eine externe Stelle kontrollieren lassen. Schon das ging der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat zu weit: Sie vertagte die Gesetzesrevision. Ein zweiter Punkt: Zu teure Krippenplätze erschweren eine partnerschaftlich-gleichberechtigte Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit. Wer eh schon weniger verdient, reduziert eher sein Arbeitspensum – ein Teufelskreis. Abhilfe würde die Initiative «Bezahlbare Kinderbetreuung für alle» bringen, über die der Kanton Zürich im Herbst abstimmt. Ein dritter Punkt sind die Rollenbilder in den Köpfen. Hier braucht es Aufklärung, offene Gespräche – und Mut zur Veränderung.