Kommentar
Vom Fall Mörgeli zum Fall Aeppli

Nach dem Kommissionsbericht zum Fall Mörgeli geht Regine Aeppli angeschlagen in ihre Endphase als Regierungsrätin.

Matthias Scharrer
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War die Entlassung von SVP-Scharfmacher Christoph Mörgeli durch die Universität Zürich ein politisch abgekartetes Spiel? Mörgeli und seine Partei vertreten diese Sichtweise schon immer. Nun erhalten sie Schützenhilfe: Die zuständige Aufsichtskommission des Zürcher Kantonsrats wirft SP-Regierungsrätin Regine Aeppli Kompetenzüberschreitung vor. Aeppli persönlich habe Mörgelis Entlassung im September 2012 angeordnet, heisst es in dem Bericht. Damit ist der Fall Mörgeli jetzt definitiv auch ein Fall Aeppli. Doch ist der Fall damit auch klar?

Zweifel bleiben. Gewiss: Die Aufsichtskommission, der Vertreter von SVP, FDP, GLP, SP und Grünen angehören, hat den Bericht einstimmig verabschiedet. Einseitige Parteilichkeit liegt ihrer Deutung somit nicht zugrunde. Allein: Es bleibt eine Deutung. Eindeutig sind die Aussagen nicht, die die Kommission erfragt hat. Es steht Aussage gegen Aussage: Aeppli bestreitet die vom damaligen Unirektor beteuerte Version, wonach sie Mörgelis Entlassung angeordnet habe. Sie habe den Rektor lediglich zum Handeln aufgefordert, um weiteren Schaden von der Universität abzuwenden, sagt sie. Und: Hätte sie nichts getan, wäre ihr das als Führungsschwäche angekreidet worden. Ein Argument, das nachvollziehbar ist.

Dennoch: Der Kommissionsbericht ist ein harter Schlag für Aepplis Ruf. Ihren Rücktritt anlässlich der Kantonalzürcher Wahlen im Frühling 2015 hat Aeppli ohnehin schon angekündigt. Für die Neugestaltung der infolge der Affäre Mörgeli ebenfalls kritisierten universitären Führungsstrukturen wäre es wohl von Vorteil, wenn die Bildungsdirektorin nicht noch so lange ausharrte.