Kommentar
Verstörende Signale

Bei der Polizei ist gerne von einer schlagkräftigen Truppe die Rede, was die Entschlossenheit der Staatsgewalt demonstrieren soll. In Schlieren hat dieser Begriff aktuell einen schalen Beigeschmack.

Jürg Krebs
Jürg Krebs
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Auf einem Rundgang machten sich Dienstagmorgen rund 20 Personen, darunter die Oberrichter, ein Bild vom Tatort.

Auf einem Rundgang machten sich Dienstagmorgen rund 20 Personen, darunter die Oberrichter, ein Bild vom Tatort.

Florian Niedermann

In zwei Fällen werden nämlich drei Stadtpolizisten Gewaltdelikte vorgeworfen. Zwei davon wurden in erster Instanz bereits wegen Körperverletzung im Dienst verurteilt, am Dienstag wurde der Fall vor Obergericht neu aufgerollt. Dem dritten wurde häusliche Gewalt vorgeworfen. Für die Stadt Schlieren geht keiner der drei mehr auf Streife. Zwei haben von sich aus gekündigt, der Verbliebene, er stand am Dienstag vor Gericht, wurde suspendiert. Keine Frage, Schlieren hat ein Problem.

Doch hat die Stadt auch eine Lösung? Immerhin: Sie hat nach Angaben ihres Sicherheitsvorstands Führung und Rekrutierung ihres Polizeikorps prüfen lassen – und Massnahmen getroffen. Details will er nicht bekannt geben. Gehandelt hat sie auch, als sie den verbliebenen Polizisten suspendierte. Eine Entlassung setzte die Stadt aus, solange die Schuld gerichtlich nicht abschliessend feststeht. Doch die Stadt spricht auch von einem Imageschaden, der ihr durch die Affäre erwachsen ist, und von verlorenem Vertrauen in der Bevölkerung.

Doch selbst bei einem Freispruch durch das Obergericht ist nicht klar, ob das Vertrauen zurückgewonnen werden kann. Das liegt an irritierenden Aussagen des Sicherheitsvorstands. Er kritisiert, dass die Gesellschaft an das Verhalten von Polizisten strengere Anforderungen stelle als an sich selbst. Dabei muss von einem Polizisten erwartet werden können, dass er das Gesetz einhält. Verstörend auch die Aussage, in der häusliche Gewalt als Frust-Bewältigung eines Polizisten abgetan wird.

Wenn die Stadt deutlich machen will, dass sie zwar ein schlagkräftiges Korps will, aber keine prügelnden Polizisten duldet, dann sind das die falschen Signale.

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