Velofahrer
Velofahrer sind genügsame Wesen

Man stelle sich eine Auto-Parkgarage vor, in der Autos knapp übereinander gestapelt sind. Beim Ein- und Aussteigen müsste man den Kopf einziehen, um ihm keine Beule zuzufügen.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Velogaragen ersetzen Abstellplätze.

Velogaragen ersetzen Abstellplätze.

Vereinzelt gibt es solche Autogaragen. Doch zum Standard sind sie nicht geworden, weil zu unkomfortabel und technisch zu aufwendig. Anders sieht es bei den Veloabstellplätzen an Bahnhöfen aus: Hier setzen Städte zunehmend auf Anlagen, in denen Fahrräder eng übereinandergestapelt werden. Neustes Beispiel ist die Velo-Doppelstockanlage auf der Hardbrücke, deren Bau das Stadtzürcher Tiefbauamt gestern bekannt gab.

Das Amt nennt die grosse Nachfrage und die knappen Platzverhältnisse als Grund für den Bau solcher beulenträchtiger Veloabstellanlagen. Velo-Lobbyist und SP-Nationalrat Jean-François Steiert meint: «Lieber doppelstöckige als gar keine Veloabstellplätze.» Entscheidend sei für Velofahrer, dass sie schnell von A nach B kämen. Das zeigt: Velofahrer sind genügsame Wesen. Über Jahrzehnte haben sie sich hierzulande daran gewöhnt, im Verkehrssystem höchstens dritte Priorität zu haben. Eine Ausnahme stellt das komfortable, aber schlecht ausgelastete Velohaus beim Bahnhof Dietikon dar, dessen Daseinsberechtigung nun durch ein SVP-Postulat infrage gestellt ist. Doch Stadtplaner sollten bedenken: Komfort und gute Verkehrsanbindung müssen sich nicht ausschliessen. Auf Beulen verzichten auch Velofahrer gerne.

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