Fall Flaach
Schlimmstmögliche Wendung

Die Frau, die Anfang Jahr ihre beiden Kinder getötet hat, hat sich in der Zelle erhängt. Nun wird Kritik an den Behörden laut.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Nach dem Tötungsdelikt an ihren Kindern wurde die Mutter von Flaach zunächst in einer psychiatrischen Klinik und danach erst im Gefängnis Zürich untergebracht. (Archiv)

Nach dem Tötungsdelikt an ihren Kindern wurde die Mutter von Flaach zunächst in einer psychiatrischen Klinik und danach erst im Gefängnis Zürich untergebracht. (Archiv)

/KEYSTONE/WALTER BIERI

Natalie K. hat Anfang dieses Jahres in Flaach ihre beiden Kinder getötet. Aus Verzweiflung darüber, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Kinder wieder in ein Heim stecken würde. Jetzt hat die 27-jährige Mutter sich selbst getötet. In Untersuchungshaft im Gefängnis Zürich. Der Fall hat damit erneut seine schlimmstmögliche Wendung genommen. Und wie schon bei der Kindertötung kommt wieder Kritik an den Behörden auf. Diesmal steht nicht die Kesb in der Kritik, sondern der Justizvollzug in der U-Haft. Hat die Gefängnisleitung die Suizidgefahr zu wenig ernst genommen? Hätte sie mehr tun können, tun müssen, um Natalie K. vom Suizid abzuhalten?

Die gestrige Stellungnahme des kantonalen Amts für Justizvollzug zeigt: Es wurden Massnahmen getroffen, um einen Suizid zu verhindern – zunächst durch eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie, dann zeitweise mittels Sondersetting im Gefängnis Zürich. Die Stellungnahme zeigt auch: Es fehlt an Plätzen für längerfristige Unterbringungen suizidgefährdeter Untersuchungshäftlinge in der Psychiatrie.

Was die Stellungnahme des Amts für Justizvollzug nicht schlüssig klärt, ist die Frage, ob die Suizidabsichten von Natalie K. auch in den letzten Tagen und Wochen vor ihrem Freitod ernst genug genommen wurden. Oder ob gar ein möglicher Suizid, wie ihn die Frau in ihrem letzten Brief vom 5. August andeutete, in Kauf genommen wurde. Das muss die Staatsanwaltschaft klären. Zudem müssen die Bedingungen in Untersuchungshaft generell überprüft werden. Doch man darf nicht vergessen: Es war Natalie K., die zunächst ihre Kinder, dann sich selbst tötete. Die Verantwortung dafür einzig den Behörden in die Schuhe zu schieben, wäre verfehlt.