Kommentar
Scheitern kann man das nicht nennen

Das Schlieremer «Projet Urbain» hatte von Beginn an hehre Ziele: Es sollte der rasant wachsenden Stadt dabei helfen, dass die Entwicklung auch im Kleinen, nämlich in den Quartieren, funktioniert.

Sophie Rüesch
Sophie Rüesch
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In Spreitenbach (Bild vom Quartiertreff Langäcker) funktioniert die Einbindung von Migranten im Rahmen des Projet Urbain offenbar besser als in Schlieren. Die Gemeindeversammlung lehnte im Juni dennoch ab, das Projekt mit der Schaffung weiterer Stellenprozente auszudehnen – ein Ziel, das auch der Schlieremer Stadtrat verfolgt. zvg

In Spreitenbach (Bild vom Quartiertreff Langäcker) funktioniert die Einbindung von Migranten im Rahmen des Projet Urbain offenbar besser als in Schlieren. Die Gemeindeversammlung lehnte im Juni dennoch ab, das Projekt mit der Schaffung weiterer Stellenprozente auszudehnen – ein Ziel, das auch der Schlieremer Stadtrat verfolgt. zvg

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Nun ist das Projekt am Ende seiner Laufzeit und der Gemeinderat gefragt, ob die Quartierarbeit in Schlieren weitergeführt und ausgedehnt werden soll – was natürlich mit Kosten verbunden ist.

Das Fazit scheint dabei auf den ersten Blick ernüchternd: Dem Projekt ist es offenbar nicht gelungen, Migranten genügend in den Prozess einzubinden. Dabei müsste in einer Stadt mit einem derart hohen Ausländeranteil wie Schlieren genau dies eines der wichtigsten Ziele eines solchen Projekts sein.

Nun die Flinte ins Korn zu werfen, wäre dennoch verfrüht. Die Quartierentwicklung braucht genau wie ihre grosse Schwester, die Stadtentwicklung, Zeit, um zu gedeihen. Verschiedene Teilprojekte sind in Schlieren erst in Entwicklung oder gerade angelaufen. Wegen eines nicht vollends befriedigenden Zwischenresultats die bereits getane Arbeit nun einfach so verpuffen zu lassen, wäre schade.

Hinzu kommt: Dass es zurzeit noch am Engagement der Migranten mangelt, heisst nicht, dass das Projekt gescheitert ist. Deren Einbindung ist zwar ein wichtiger Fokus des Projekts und die Stadt ist gut beraten, sich dieses Aspekts künftig noch aktiver anzunehmen – was sie auch will. Die Zuwanderung ist aber nur eine von vielen Herausforderungen, mit denen die Gesellschaft konfrontiert ist. Eine Realität ist zum Beispiel auch eine älter werdende Gesellschaft – und mit ihr, im Kleinen, eine wachsende Zahl Menschen, die im Alter vereinsamen. Fühlen sie sich von Kaffeetreffs und Co. angesprochen, wonach es zurzeit aussieht, ist auch das als Erfolg zu werten.