Bahnchaos
SBB müssen Sicherheit überprüfen

Ein absichtlich gelegter Kabelbrand liess den Zugverkehr am Dienstag im Raum Zürich zusammenbrechen. Dass Unbekannte entlang der Gleise einfach einen Kabelschacht öffnen, in Brand setzen und damit bedeutende Teile des Bahnnetzes lahmlegen können, sollte eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.
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Dienstag, 7. Juni 2016: Ein absichtlich gelegtes Feuer in einem Kabelschacht nahe des Bahnhofs Zürich Oerlikon, bemerkt um 3 Uhr morgens, beschädigte technische Anlagen der SBB und löst ein Pendlerchaos aus.
Die Auswirkungen sind massiv: Die Strecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg und die Strecke zwischen Oerlikon und Flughafen waren stundenlang unterbrochen.
Zahlreiche Verbindungen mussten umgeleitet werden oder fielen gleich komplett aus. Hier warten Pendler auf Pendler am Bahnhof Glattbrugg auf ein Ersatztransportmittel.
Eine Frau studiert die Abfahrtspläne am Hauptbahnhof - an diesem Tag sind diese mit Vorsicht zu geniessen.
Pendler warten auf einen Ersatzbus - solche Szenen gab es am Dienstag zuhauf.
Auch am Hauptbahnhof Zürich müssen sich Pendler umorganisieren oder Verspätungen in Kauf nehmen.
Schwierig zu erreichen war vor allem der Flughafen Zürich aus Richtung HB Zürich.
Pendler warten auf ein Tram.
SBB-Arbeiter verlegen nach dem Brand neue Kabel in Zürich Oerlikon - die Auswirkungen des Brandes sind aber noch abends im Bahnverkehr spürbar.
Die Brandstifter mussten für ihren Sabotageakt in umzäuntes Gelände einbrechen.

Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Keystone

Das gabs in der Schweiz noch nie: Mit einem offenbar gezielt gelegten Brand in einem Kabelschacht neben Bahngleisen in Zürich Nord gelang es Unbekannten am Dienstag, den Bahnverkehr zwischen Zürich und dem Flughafen einen ganzen Tag lang lahmzulegen. Die Störung hatte Zugverspätungen im gesamten Grossraum Zürich während Stunden zur Folge. Man fragt sich: Wie konnte das passieren? Vieles ist noch unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Die SBB wollen sich zu Sicherheitsfragen grundsätzlich nicht äussern, auch um Nachahmungstätern keine Informationen zu liefern, wie es gestern auf Anfrage hiess. Das ist natürlich legitim.

Klar ist aber auch: Die SBB müssen die Sicherheit überprüfen. Dass Unbekannte entlang der Gleise einfach einen Kabelschacht öffnen, in Brand setzen und damit bedeutende Teile des Bahnnetzes lahmlegen können, sollte eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein. Selbstverständlich gibt es nie 100-prozentige Sicherheit. Doch falls da draussen Saboteure unterwegs sind, muss es ihnen möglichst schwer gemacht werden, ihr Unwesen zu treiben – zum Beispiel mit abschliessbaren Kabelschächten. Dasselbe gilt, falls sich herausstellen sollte, dass einfach Nachtbuben Blödsinn mit ungeahnten Folgen getrieben haben. Dass die Bahn in der Schweiz pünktlich und sicher ist, gehört zum Selbstverständnis dieses Landes – und ist für Hunderttausende Pendlerinnen und Pendler ein tägliches Bedürfnis. SBB und Polizei müssen alles daransetzen, dass ein Vorfall wie jener vom Dienstag die grosse, einmalige Ausnahme bleibt.