Fussball
Personenschutz

Fussballer haben auch ein Recht, vor desinteressierten Pubertierenden geschützt zu werden.

Riccarda Mecklenburg
Riccarda Mecklenburg
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Xherdan Shaqiri ist enormes Medieninteresse gewohnt. ANDREAS GEBERT/Keystone

Xherdan Shaqiri ist enormes Medieninteresse gewohnt. ANDREAS GEBERT/Keystone

Es regnete in Strömen, das Nachmittagsprogramm fiel ins Wasser und so flüchtete ich mich mit meiner Freundin und unseren vier pubertierenden Jungs in ein Zürcher In-Lokal. Pitschnass bekamen wir einen Tisch neben einer rumblödelnden Truppe junger Männer. Alle smart gekleidet, hübsch anzusehen. Unsere vier Pubertierenden dagegen starrten, kaum sassen sie, in ihre Handy-Bildschirme, mit gesenktem Kopf, als wären sie extrem kurzsichtig. Kaum mehr fähig, noch eine Bestellung zu artikulieren, geschweige denn den Kopf zu heben, waren sie in ihr Paralleluniversum abgetaucht.

So ausgeschlossen und vereinsamt, starrte ich an den Nebentisch und genoss den Anblick der Truppe, die sich ohne Smartphones bestens amüsierte. Plötzlich kam mir ein Gedanke. Ich fragte unsere Jungs: «Kennt ihr euch bei den Schweizer Fussballern aus?» Antwort: «Hmmm» (heisst: ja). «Kennt ihr die Spieler von der Nati?» Antwort: «Hhhhmmmm...» (heisst: ja, aber hör jetzt auf zu nerven). Zwei Minuten Pause zum geistigen Reset. Nächste Frage: «Kennt ihr die jungen Männer am Nebentisch?» Kurzes Aufblicken, leichte Halsdrehung: «Nööö». «Aber ihr habt doch Panini-Bildchen gesammelt und eingeklebt», versuchte ich die maulfaulen Gegenüber zu kitzeln. «Nööö», erinnerte mich einer, «die hast du eingeklebt.» Stimmt. Sonst wären die Seiten immer noch leer.

Ich überlegte, ob ich die Jungs darauf hinweisen sollte, dass am Nebentisch ein Teil der Nati sitzt. Ich beschloss, es nicht zu tun. Die jungen Spieler haben schliesslich auch ein Recht, vor desinteressierten Pubertierenden geschützt zu werden.