Kommentar zum Fall Carlos
Nun ists amtlich: Totalversagen

Die Zürcher Oberjugendanwaltschaft bricht das zweite Sondersetting für den jungen Straftäter «Carlos» ab. Der Grund: Die Betreuung entfalte keine «erzieherischen oder therapeutischen Wirkungen mehr». Das Drama geht weiter.

Von Jürg Krebs
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Der 17-jährige "Carlos" beim Kampfsporttraining

Der 17-jährige "Carlos" beim Kampfsporttraining

Keystone

Wir erinnern uns. Bis zu jener TV-Reportage über «Carlos» im August 2013 hatte sich der wiederholt straffällig gewordene Jugendliche im Sondersetting nichts zuschulden kommen lassen. Die zuständige Sozialfirma RiesenOggenfuss und die zuweisende Oberjugendanwaltschaft attestierten ihm eine positive und stabile Entwicklung. Doch dann wurde bekannt, dass dieser Ausnahmefall des Strafvollzugs pro Monat 29 000 Franken kostet. Eine empörte Öffentlichkeit aus Politik, Medien und Stammtischen kritisierte die Kosten. Der Zürcher Justizdirektor und die Oberjugendanwaltschaft wollten mit den Wölfen heulen, distanzierten sich vom eigenen Vorgehen. «Carlos» wurde aus seiner Umgebung herausgerissen und ins Gefängnis gesteckt. Der Anfang vom Ende. Nun also der Abbruch des zweiten Sondersettings. «Carlos» wird nach einer Übergangsphase sich selbst überlassen. Mit ungewisser Entwicklungsaussicht.

Ist das nicht paradox? Justizdirektion und Oberjugendanwaltschaft müssen am Ende gestehen, dass ihr Eingreifen mehr geschadet als genutzt hat. Damit haben sie auch das viele Geld vernichtet, das zuvor erfolgreich in «Carlos» Resozialisierung gesteckt worden war. Der Leidtragende ist nicht nur der Jugendliche, wir alle sind es, die nur noch beten können, dass «Carlos» nicht wieder kriminell wird. Justizdirektion und Oberjugendanwaltschaft haben vor allem eines – total versagt.

(20.6.2014)