Kommentar
Nielsen bringt SP in Schwierigkeiten

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Claudia Nielsens Abgang bringt die SP kurz vor den Wahlen in Schwierigkeiten.

Claudia Nielsens Abgang bringt die SP kurz vor den Wahlen in Schwierigkeiten.

Keystone

Claudia Nielsen hat gestern alle überrascht: Am Mittag gab die Zürcher SP-Stadträtin bekannt, bei den Wahlen am 4. März nicht mehr anzutreten. Ein Rückzug einen Monat vor dem Wahltag, nachdem in vielen Briefkästen bereits die Wahlunterlagen angekommen und zum Teil schon wieder abgeschickt sind: Das hat Seltenheitswert – und ist Ausdruck einer Überforderung, die sich schon länger abgezeichnet hat.

Mit ihrem überstürzten Abgang bringt Nielsen vor allem die SP in Schwierigkeiten. Die wählerstärkste Stadtzürcher Partei hat nun die Wahl, entweder kurzfristig eine neue Kandidatur ins Rennen zu schicken – oder ihren vierten Stadtratssitz gleich aufzugeben. So oder so: Nielsen leistet der Konkurrenz Wahlkampfhilfe. Zumal sie von den reglementswidrigen Verbuchungen und fragwürdigen Verwendungen ärztlicher Honorare im Stadtspital Triemli, die sie nun als Rücktrittsgrund nennt, schon im November teilweise wusste. Die Frage drängt sich auf: Warum zog sie nicht bereits damals die Konsequenzen?

Nielsen war schon lange in der Defensive: Ihr zögerliches Vorgehen punkto Verselbstständigung der Stadtspitäler wurde ihr vorgeworfen, ebenso ihr hoher Verschleiss an Kader-Mitarbeitenden im Gesundheitsdepartement – und nicht zuletzt das teure Schaffen von Überkapazitäten im Triemli-Spital. Hinzu kommen jetzt auch noch finanztechnische Unregelmässigkeiten. Deren Brisanz lässt sich noch nicht genau abschätzen. Fest steht: Nielsen hat erst jetzt erkannt, dass ein Wiederantreten bei der Stadtratswahl desaströs enden könnte. Die machtgewohnte SP-Stadträtin zog zu spät die Konsequenzen. Nun hinterlässt sie einen Scherbenhaufen. Aufräumen müssen ihn andere.