Kommentar
Mannigfaltige Männlichkeit

Man(n) hätte es kommen sehen können. Vorboten waren die Männer mit Vollbärten und Holzfällerhemden, die in den letzten Jahren hip wurden, gerade auch in der Schwulenszene. Und jetzt das: eine Männermesse, bei der Männer ihrer neuen Männlichkeit frönen können.

Matthias Scharrer
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An der Männermesse wird kein Klischee ausgelassen.

An der Männermesse wird kein Klischee ausgelassen.

Die Erstausgabe der Messe «Man’s World» öffnete gestern in der Zürcher Maag-Halle ihre Pforten.

Wer mit einem Bagger Bier einschenken will, ist hier an der richtigen Adresse. Ausdruck eines neuen männlichen Selbstbewusstseins – oder Symptom einer Krise der Männlichkeit? Beides!

Wann ein Mann ein Mann ist, ist längst nicht mehr so klar. Zuerst räumte die Frauen-Emanzipationsbewegung mit alten Macker-Vorstellungen auf: Der Softie war geboren.

Dann kam David Beckham – und damit der Metrosexuelle, der gestylt daherkam, aber keinen gesteigerten Wert auf ein maskulines Rollenbild legte.

Und jetzt also die Bärtigen, denen an der «Man’s World» Bagger als grosses Spielzeug angeboten werden – für das Kind im Mann, gewissermassen.

Männlichkeit ist ein Spiel geworden. Mann sucht sich sein Modell aus einem mannigfaltigen Angebot aus: mal als Softie, mal als Metrosexueller, mal als Bärtiger im Holzfällerhemd, gern auch mit weichem Kern unter harter Schale.

Hinter diesem Spiel steckt der Verlust klarer Rollenbilder: Der Mann als Ernährer, die Frau als Heimchen – das taugt nicht mehr als allgemein akzeptiertes Modell. So gesehen, ist die männliche Identitätskrise ein emanzipatorischer Gewinn.

Den Artikel zum Kommentar lesen Sie hier.

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