Regenbogenfamilien
Liefert Zahlen!

Lina Giusto
Lina Giusto
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Viele Regenbogenfamilien sorgen in vorbildlicher Weise für ihre Kinder.

Viele Regenbogenfamilien sorgen in vorbildlicher Weise für ihre Kinder.

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In der Schweiz leben 6000 bis 30 000 Kinder bei gleichgeschlechtlichen Eltern. So die Schätzungen von Schwulen- und Lesben-Verbänden. Das Bundesamt für Statistik zählte 2014 lediglich 400 solcher Kinder. Die massive Diskrepanz existiert, weil es keine verlässlichen Erhebungen über Regenbogenfamilien gibt.

Zwar hat das Bundesamt für Statistik bei der Erneuerung der Erhebung zur Bevölkerungsstruktur 2011 erstmals nach Kindern, die bei einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar leben, gefragt. Es relativiert die Zahl 400 aber als «mit grosser Vorsicht zu interpretieren» – wegen der kleinen Stichprobe. Deshalb schätzten Schwulen- und Lesben-Verbände die Zahl der hier lebenden Regenbogenfamilien basierend auf Zahlen aus Frankreich und Deutschland.

Eine Analyse des Zentrums für Gender Studies der Universität Basel zeigt, dass etwa gleichgeschlechtliche Paare in getrennt lebenden Haushalten oder aber schwule oder lesbische Alleinerziehende gänzlich durch das statistische Raster fallen. Auch Einkommens-, Beschäftigungs- und Ausbildungsstruktur werden für sie nicht erhoben. Analysen der sozioökonomischen Strukturen von Regenbogenfamilien sind damit schlicht unmöglich.

Der Sinn einer jeden Statistik ist, einen Zustand abzubilden. Daraus lassen sich Ursachen, Entwicklungen oder Prognosen ableiten. Phänomene, die statistisch unbeachtet bleiben, erhalten politisch, medial und gesellschaftlich weniger Aufmerksamkeit. Damit neue Lebensformen akzeptiert werden, braucht es eine Diskussion – und für diese sind auch Zahlen nötig.