Kommentar
Kulturausgaben polarisieren

Das Opernhaus Zürich erhält vom Kanton 16 Millionen Franken für seine Lagerhalle.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Das Opernhaus Zürich erhält 16 Millionen Franken.

Das Opernhaus Zürich erhält 16 Millionen Franken.

Keystone

Einstimmig hat der Kantonsrat gestern dem Opernhaus Zürich 16 Millionen Franken für die Sanierung und Erweiterung seiner Lagerhalle in Zürich Oerlikon bewilligt. Das ist alles andere als selbstverständlich, ist doch das Opernhaus ohnehin schon das am höchsten subventionierte Kulturhaus Zürichs.

Und wie schnell es gehen kann, dass Kulturhäusern der Geldhahn zugedreht wird, erlebte kürzlich das Theater am Neumarkt: Infolge der politisch umstrittenen Entköppelungs-Aktion wurden ihm 50 000 Franken an Subventionen gestrichen. Ein Klacks, gemessen an den Kulturausgaben von 178 Millionen, die der Kanton sich jährlich leistet; doch für ein kleines Haus wie das Neumarkt-Theater kann so eine Kürzung bedrohlich werden.

Dass die beiden Häuser in der Gunst der Subventionsgeber so unterschiedlich dastehen, hat jedoch wohl nicht nur politische Gründe. Das Opernhaus hatte letztes Jahr eine Zuschauer-Auslastung von 84 Prozent, war also nahezu bei jeder Aufführung fast voll. Ganz anders das Theater am Neumarkt: Mit einer Auslastung von 28 Prozent ist es das Schlusslicht unter den Zürcher Theatern.

Natürlich wäre es falsch, Kulturhäuser nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Kultur darf und soll durchaus aufmüpfig sein. Aber wenn Kulturhäuser so weit am Publikum vorbeiproduzieren wie zuletzt das Neumarkt-Theater, überrascht es nicht, dass die Frage aufkommt, warum die Allgemeinheit für sie bezahlen soll. Werden Kulturhäuser hingegen zum Standortfaktor mit internationaler Strahlkraft, stellt sich diese Frage kaum, siehe Opernhaus.