Bildungsinitiative
Kommentar: Die Bildungsinitiative stand völlig quer in der Landschaft

Das Anliegen der Bildungsinitiative war im Grunde sympathisch. Die Initianten warben auch mit visionärem Schwung:

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Studierende vor dem Hauptgebäude der Universität Zürich. (Archiv)

Studierende vor dem Hauptgebäude der Universität Zürich. (Archiv)

Keystone

Im zweiten Jahrhundert nach Einführung der Volksschule und gut 50 Jahre nach Abschaffung der Mittelschulgebühren sollten sämtliche öffentliche Bildungsangebote im Kanton Zürich grundsätzlich gratis werden für Kantonseinwohner. Bildungschancen sollten vom elterlichen Portemonnaie der Schüler und Studierenden vollends unabhängig werden, so die Vision.

Allein: Sie stand und steht politisch völlig quer in der Landschaft. Dem Kanton Zürich droht ohnehin schon ein Sparpaket, das in der Bildung spürbar wird. In dieser Situation die Abschaffung der Semestergebühren an den Hochschulen und anderer Bildungsgebühren im Umfang von total über 100 Millionen Franken pro Jahr zu fordern, war reichlich utopisch. Dass dieses Anliegen weit entfernt von einer Mehrheit sein würde, war von Anfang an klar.

Der Wert der Bildungsinitiative war primär philosophischer Natur: Sie hielt dazu an, das realpolitische Denken zu hinterfragen; weckte den Gedanken, dass ja auch ganz andere Modelle möglich sein könnten als die Vorherrschenden; und sie erinnerte daran, dass auch heutige Bildungsmodelle wie die gebührenfreie Volksschule und die für die Schülerschaft weitgehend kostenlose Mittelschule einst utopische Forderungen waren.

Doch es zeigte sich: Die Stimmberechtigten im Kanton Zürich sind derzeit nicht aufgelegt für radikale bildungspolitische Visionen. Das hat gut nachvollziehbare Gründe: Zum einen ist die angespannte Finanzlage des Kantons kostspieligen Experimenten abträglich. Zum anderen ist unser Bildungssystem mit dem Stipendienwesen schon gezielt auf Chancengleichheit ausgerichtet. Darauf sollten wir aufbauen. Denn auch wenn die Bildungsinitiative klar abgelehnt wurde: Es bleibt im Interesse der Gesellschaft, dass Talente sich unabhängig vom elterlichen Portemonnaie entfalten können. Vollständig erreicht ist dieses Ziel noch nicht.