Kommentar zum Schulversuch
Kinder brauchen Bezugspersonen

Wie viele Lehrer sind zu viel im Klassenzimmer? Dieser Frage geht das Zürcher Volksschulamt nach. Der Zwischenbericht zeigt: weniger ist mehr.

Jürg Krebs
Merken
Drucken
Teilen
Zwei zuständige Lehrer im Klassenzimmer sind besser als wie bisher gegen sechs.

Zwei zuständige Lehrer im Klassenzimmer sind besser als wie bisher gegen sechs.

Mehr Ruhe und Konzentration im Klassenzimmer und damit einen höheren Lerneffekt. Dieses Zwischenfazit zieht das Zürcher Volksschulamt aus dem Versuch «Fokus starke Lernbeziehungen», der unter anderem im Schlieremer Schulhaus Hofacker durchgeführt wird. Anders als heute üblich, haben die Versuchsklassen zwei fest zugeteilte Lehrpersonen. Üblich sind bis zu sechs, darunter unterstützende Fachkräfte. Dass die neue Klassensituation ein wenig an alte Zeiten erinnert, macht nichts. Nicht alles muss schlecht sein, was früher einmal für gut befunden worden war.

Kinder brauchen Bezugspersonen, das wissen Eltern. Kinder wollen aufgehoben sein, sie wollen Verlässlichkeit. Warum soll dies in der Schule anders sein? Ständig wechselnde Lehrkräfte erlauben keine vertiefte Auseinandersetzung mit den Schülerinnen und Schülern. Sie verbringen zu wenig Zeit mit ihnen. Eine Rückkehr zu den Zeiten des Frontalunterrichts bedeutet die Testvariante nicht. Denn bei zwei Lehrpersonen kann sich eine um individuelle Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler kümmern. Das gabs früher nicht.

Dass weniger Lehrpersonen pro Klasse den Einsatz von Teilzeit-Lehrern erschwert, ist zwar ein Nachteil. Er kann, muss gar in Kauf genommen werden. Denn das oberste Ziel muss es sein, den Kindern und Jugendlichen in der Volksschule zum bestmöglichen Schulumfeld zu verhelfen. Daran muss das Volksschulamt denken, wenn es am Ende der Testphase einen Entscheid fällen muss.