Wochenkommentar zur Schulhaussuche in Dietikon
Jetzt ist klar: Der Fehltritt kostet Millionen

Auch anderhalb Jahre nach dem Abstimmungs-Nein ist nicht klar, wie das Dietiker Quartier zu einem Schulhaus kommt. Die Zeit drängt.

Von Jürg Krebs
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Beim Schulhaus Steinmürli wird wegen Schulraummangel im Limmatfeld ein Ersatzbau hingestellt.

Beim Schulhaus Steinmürli wird wegen Schulraummangel im Limmatfeld ein Ersatzbau hingestellt.

Sophie Rüesch

Es wird immer deutlicher: Die vom Dietiker Stadtrat Ende 2012 verlorene Abstimmung für ein Mietschulhaus im Stadtteil Limmatfeld war nicht nur die viel zitierte politische Ohrfeige für die Stadtregierung. Es ist eine Niederlage mit weitreichenden Konsequenzen, deren Umfang diese Woche deutlicher wurde. Anders ausgedrückt: Das Nein kommt Dietikon teuer zu stehen.

Blenden wir kurz zurück. Die Dietiker Stimmberechtigten wollten kein Mietschulhaus im Limmatfeld. 68 Prozent sagten deshalb am 25. November 2012 Nein zur Vorlage des Stadtrats. Selbst die befürwortenden Parteien konnten ihre Klientel nicht geschlossen zu einem Ja bewegen. Die einmaligen Investitionen von 2 Millionen Franken und die jährlich wiederkehrenden Kosten von 1,3 Millionen waren Dietikon zu teuer. Die Stadt sollte dieses Geld besser langfristig anlegen und ein eigenes Schulhaus bauen.

Blöd nur, dass der Stadtrat diese Variante zu wenig konkret geprüft hatte, wie nach der Abstimmung herauskam. Weil er sich seiner Sache zu sicher war, hatte er nach dem Nein auch keinen Plan B zur Hand. Ein strategischer Fehler. Seither versucht er gutzumachen, was wohl nicht mehr gutzumachen ist.

Überhaupt hatte der Stadtrat bereits in früheren Jahren verpasst, rechtzeitig die Schulhausfrage für den neuen Stadtteil Limmatfeld konkret anzugehen. Als dann private Investoren die Quartierplanung an die Hand nahmen, fehlte der Stadt bereits der Handlungsspielraum. Private diktieren damals wie heute die Entwicklung, die 2017 abgeschlossen werden soll. Mittlerweile scheint der Zug abgefahren: Ein eigenes Schulhaus kann die Stadt mangels eigener Parzellen im Limmatfeld kaum mehr bauen, ein Mietschulhaus wollen die Stimmberechtigten nicht. Dessen ungeachtet, benötigt die Quartierbevölkerung Schulraum.

In der Hoffnung, doch noch aus dieser misslichen Lage herauszufinden, richtet der Stadtrat sein Augenmerk seither auf eine Stelle am Rande des Limmatfelds, wo ihm ein Stück Land gehört. Doch auch hier stösst der Stadtrat auf ein Problem. Nach der Annahme der revidierten Richtplanung für das Industriegebiet «Silbern» im März 2012 wird juristisch über Bauabstände zum Naturschutzgebiet respektive den Moorschutz gestritten. Ein Entscheid dürfte nicht nur länger auf sich warten lassen, fällt dieser auch noch negativ aus, ist klar: Auch in den anschliessenden Gebieten des Limmatfelds wirds kein Schulhaus geben. Damit wäre das Debakel perfekt.

Die Ironie der Geschichte: Die Idee des Mietschulhauses wurde vom Stadtrat mit dem Argument vertreten, diese Lösung käme die Stadt günstiger als ein Neubau. Ein Argument, das im Dietikon der klammen Kasse den Durchbruch bringen sollte. Doch eine Mehrheit der Stimmberechtigten glaubte dem Stadtrat offensichtlich nicht.

Dessen Fehleinschätzung der Chancen für ein Abstimmungs-Ja kommt das Gemeinwesen nun teuer zu stehen. Diese Woche trat der Schulpräsident mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass eine Interimslösung auf dem Areal des Schulhauses Steinmürli die Steuerzahler nach groben Schätzungen vier Millionen Franken kostet. Später kommen gemäss Volkswillen noch die Kosten für ein neues Schulhaus hinzu. Und das ist nicht alles: Eine weitere Konsequenz ist, dass sich die Dietiker Schulkinder auf längere Schulwege gefasst machen müssen, weil die Kinder vom Limmatfeld in die nächstgelegenen Schulhäuser integriert werden, andere Kinder von dort weichen müssen. Auch von grösseren Klassen ist die Rede.

Für diese selbst verschuldete Situation hat sich der Stadtrat nie öffentlich entschuldigt. Im Gegenteil: Als das Thema am 6. Dezember 2012 im Parlament behandelt wurde, schalt der Stadtrat die Kritiker – keine Spur von Selbstkritik. Klar ist: Am Ursprung der Misere steht nicht ein dem Stadtrat unliebsames Abstimmungsergebnis, sondern falsche Planung und Strategie. Wer nun denkt, dass der Stadtrat aus der Geschichte mit dem Mietschulhaus die richtigen Schlüsse gezogen hat für die Planung des Stadtteils Niderfeld, sollte skeptisch bleiben. Ein Grundsatzentscheid für den Neubau einer Schulanlage ist gemäss Stadtrat noch nicht gefällt – dessen ungeachtet schreitet die Planung für diesen Stadtteil voran.