Analyse EHC Urdorf
Im Limmattal hapert es an neuen Führungsspielern

Das Positive vorweg: Der EHC Urdorf spielt auch nächstes Jahr in der 2. Liga. Das Minimalziel ist erreicht. Stolz auf die Spielzeit 2014/15 ist indes niemand. Eine Analyse zur Saison der Urdorfer Eishockeyaner

Raphael Biermayr
Raphael Biermayr
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Beim EHC Urdorf gab es in letzter Zeit viel Diskussionsstoff

Beim EHC Urdorf gab es in letzter Zeit viel Diskussionsstoff

Raphael Biermayr

Wenige Tage vor dem Saisonstart provozierten die einflussreichen Kreise der Mannschaft den Abgang von Trainer François Wartenweiler und boxte den eigenen Kandidaten Thomas Heldner mit den Co-Trainern Sandro Duttweiler und Adrian Casutt gegen den Kandidaten des Vorstands durch. Von da an ging es nur noch um die Frage, wie die Equipe mit der neuen Situation umgeht. Nach einer Pleiteserie sprach an Weihnachten niemand mehr von den Playoffs der besten acht Teams.

Dank eines Schlussspurts mit fünf Punkten aus den letzten drei Matches gelang es schliesslich, die zweite Abstiegsrundenteilnahme in Folge abzuwenden. Drei Gründe führten zur schwachen Bilanz: Die mangelhafte Fitness infolge der laxen Vorbereitung; die Undiszipliniertheiten als ewige Schwachstelle des EHCU; die Gleichgültigkeit, solange das Wasser nicht bis zum Hals steht.

Das Ad-hoc-Trainertrio hat seine Sache unter grossem persönlichen Aufwand nach Kräften gemeistert. Die Verantwortung für die Saison lag aber angesichts der Turbulenzen im September von Anfang an bei den Spielern. Die bildeten zwar eine stärkere Einheit als in der Vorsaison, dennoch zogen nicht alle am gleichen Strick.

Das musste auch Lolo Bertschmann merken, der während der Saison auch das vakante Sportchefamt übernahm, nachdem er dieses bereits beim Drittligisten und Partnerteam Limmattal Wings innehatte. Die 48-jährige Limmattaler Eishockeylegende ist sich aus seinen langen Jahren bei den Wings Arges gewohnt. Dass auch in der ungleich ambitionierteren 2. Liga während der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr mangels Teilnehmern der Trainingsbetrieb ruhte, irritierte ihn. Denn am 3. Januar wurde der Spielbetrieb fortgeführt.

Mitgliederbeitrag sponsern

Bertschmann weiss, wo der Hebel anzusetzen ist; einerseits, um neue Spieler für den EHCU zu gewinnen, andererseits, um Druck auf die Akteure ausüben zu können. Es braucht einen finanziellen Anreiz. Der heisst auf Urdorfer Verhältnisse gemünzt: die Abwälzung des Mitgliederbeitrags.

Bis anhin zahlen die Spieler 500 Franken jährlich, wenn sie auf der Weihermatt spielen. Dort haben sie seit dem Neubau der Anlage keine eigene Garderobe mehr – heutzutage ein wichtiger Faktor. Bertschmanns Idee, die er in den Vorstand einbringen wird: Lokale Sponsoren werden gezielt für die Übernahme des Mitgliederbeitrags eines Spielers geworben. Im Gegenzug wird der Sponsor während eines Heimspiels mehrfach genannt.

So unsicher wie die Umsetzung dieser Idee ist, so unsicher ist gegenwärtig die Situation im Kader – und die Trainersituation. Wegen der lange offenen Ligafrage steht Bertschmann noch am Anfang. Er ist seit kurzem im Gespräch mit einem möglichen neuen Trainer sowie den Spielern. Hier stellen sich die gleichen Fragen wie im letzten Jahr: Sind die älteren Semester gewillt, den Aufwand weiterhin auf sich zu nehmen?

Raphael Studer und seinem langjährigen Sturmpartner Thomas Wigger winkt die verlockende Alternative, mit alten Weggefährten bei den Senioren zu spielen. Sebastian Hauser hat indes bereits verkündet, eine Saison anzuhängen – und stellt sein Captainamt nach eigener Aussage zur Diskussion.

Improvisation in der Defensive

Das ist eine Riesenchance, die festgefahrenen Hierarchien aufzubrechen und frischen Wind in die Mannschaft zu bringen. Dazu braucht es allerdings Spieler, die Führungsaufgaben übernehmen wollen und das auch können. Daran hapert es. Nicht zuletzt, weil einige Leistungsträger als B-Lizenz-Spieler vorwiegend nur während der Matches im Team sind.

Die zweite wichtige Frage betrifft die Zukunft ebendieser Verstärkungsspieler aus den Elitejuniorenteams der ZSC Lions und Winterthur. Vor allem die Leistungen von Claudio Kunz haben Begehrlichkeiten geweckt. Er war der spektakulärste Urdorfer Stürmer der Saison und mit 14 Punkten aus 11 Partien effektiver als Topskorer Tobias Landis (16/15). Darüber hinaus versucht Bertschmann, Michel Kunz und André Müller ein fixes Engagement in Urdorf schmackhaft zu machen. Solange sie noch Elitejunioren spielen können, hat er wohl schlechte Karten.

Mehr Handlungsbedarf besteht ohnehin in der Verteidigung, wo oft Improvisation nötig war. Spieler wie Dominik Erb und Yvan Yanez fehlten während der Hälfte der Partien aus verschiedenen Gründen. Darüber hinaus zeigte der Ex-Profi Serge Haas eine sehr verhaltene Saison. Gut möglich, dass dieser Umstand dem Chaos vor der Saison geschuldet ist. Im Zuge des Rücktritts von François Wartenweiler nahm auch Haas' Vater Ruedi den Hut.

Der Weininger Yves Brasser, der hauptsächlich für Winterthurs Elite spielt, hat Bertschmann bereits wissen lassen, dass er nicht ausschliesslich in Urdorf spielen wird. Nach einem schweren Unfall Ende Dezember war die Spielzeit für ihn vorzeitig vorbei. Brasser nimmt im kommenden Winter einen neuen Anlauf und strebt weiterhin nach Höherem. Das dürfte nach einer ernüchternden Saison auch für den EHC Urdorf gelten.