Auto-Kinder
Gehirnfreie Drop-Off-Zone

Die Eltern, die darauf beharren, ihre Kinder in die Schule zu fahren, sind unbelehrbar. So fordern sie gar bauliche Anpassungen für ihren Fahrdienst.

Riccarda Mecklenburg
Riccarda Mecklenburg
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Zu Fuss gehen kennen Primarschüler heute fast nicht mehr.

Zu Fuss gehen kennen Primarschüler heute fast nicht mehr.

Keystone

Vor kurzem wurde über das leidige Thema Elterntaxis im Grossraum Luzern diskutiert. Auch im Luzernischen plagen sich Schulen und Institutionen mit den gleichen Problemen, wie wir sie in Weiningen und andere Gemeinden kennen: Eltern, die es völlig in Ordnung finden, ihre Kinder mit dem Auto in die Schule zu bringen und natürlich auch abzuholen. Dass sie mit ihren Blechkisten andere Kinder, die zu Fuss kommen, gefährden, ihren eigenen Kindern körperliche Bewegung und persönliche Erfahrungen vorenthalten, interessiert sie nicht. Die Polizei steht frustriert daneben, die Schulleitung appelliert per Schreiben an alle Eltern und die schulnahen Organisationen versuchen mit kleinen Aktionen, dem Treiben Einhalt zu bieten. Und doch bleibt ein hartnäckiger Prozentsatz unbelehrbar und verstopft die Schulzufahrten.

Das Thema war an sich schon deprimierend. Ganz tragisch wurde es dann aber bei den Kommentaren. Da monierten doch tatsächlich Eltern, dass die Schulen nicht mit der Zeit gingen, denn sonst hätten sie schon längst «Drop-Off-Zonen» bei Schulhäusern geschaffen. Es wurden Vergleiche mit Frankreich und den USA von den Elterntaxi-Befürwortern herangezogen, als wäre die kleinräumige Schweiz mit ihrer dichten Infrastruktur mit diesen Ländern vergleichbar. Dass im wenig besiedelten Hinterland Frankreichs und in den weiträumigen amerikanischen Staaten den Kindern Schulbusse zur Verfügung stehen, versteht sich von selbst. Dann benutzen aber auch alle den Bus. Aber für Schweizer Schulen Ein- und Aussteigezonen, sogenannte Drop-Off-Zonen, zu fordern, damit diese Eltern ihre Unvernunft weiter zelebrieren können, ist schlichtweg Schwachsinn.

Die Autorin ist Publizistin, Kommunikationsberaterin und Mutter zweier Kinder. Sie wohnt in Weiningen.