Mein Limmattal
Ganz froh ist mir ums Herz

Franziska Schädel
Franziska Schädel
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Der Andrang ist gross: 12 Kandidaten wollen als Stadtrat ins Stadthaus Dietikon einziehen. (Archiv)

Der Andrang ist gross: 12 Kandidaten wollen als Stadtrat ins Stadthaus Dietikon einziehen. (Archiv)

BHI

Was sind wir Dietikerinnen und Dietiker doch für Glückspilze. Da wird landauf, landab lamentiert, es liessen sich kaum mehr Leute finden, die sich für ein politisches Amt zur Verfügung stellen. Händeringend suchen Gemeinden nach geeigneten Kandidaten, um einer Zwangsverwaltung durch den Kanton zu entgehen. Und bei uns stehen zwölf wackere Männer bereit, die Bürde der Würde zu tragen. Haus, Weib und Kind stellen sie hintan und tun kund, dass ihnen kein Weg zu steil, keine Arbeit zu beschwerlich sein wird, um unsere schöne Stadt in eine güldene, strahlende Zukunft zu führen.

Die Konterfeis der Kandidaten – und ich bin froh, dass ich für einmal der Qual der Wahl einer eleganten geschlechtsneutralen Formulierung enthoben bin –, also die Bilder der Kandidaten lächeln mir aus Nachbars Garten zu, blinzeln neckisch hinter Hecken hervor, begleiten mich beim Einkaufen und leisten mir am Bahnhof Gesellschaft, bis der Zug einfährt.

Plötzlich habe ich auch ganz viele neue Freunde. Zwischen Rüebli und frischem Käse stürzen sie hervor und schütteln mir auf dem Wochenmarkt die Hand, winken mir fröhlich zu und schreiben mir nette Briefe. Und zweimal sogar haben sie mich am 6. Januar mit einem Stück Dreikönigskuchen zum König gekürt – nicht zur Königin natürlich, aber das ist ja verständlich, denn die drei Weisen aus dem Morgenland, das waren ja auch tapfere Männer.

Ganz froh und leicht ist mir ums Herz. Egal, welche sieben der zwölf mutigen Recken in den Stadtrat einziehen werden, sie sind dynamisch und kooperativ, frisch, weitsichtig, tatkräftig und bürgernah, kreativ und kompetent, konstruktiv, erfahren, eigenverantwortlich und mittendrin. Wo drin? Egal, wir wollen doch nicht kleinlich sein ob dieser Fülle überragender Eigenschaften. Ein Kandidat verspricht mir sogar den Hauptgewinn. Ein starkes Argument, wo ich doch bisher bei Wettbewerben und Tombolas immer leer ausgegangen bin.

Und jetzt wird mir langsam auch klar, warum unsere schöne Stadt die nächsten vier Jahre von starker Männerhand regiert werden wird: Vor so viel Kompetenz können wir Frauen nur demütig das Haupt senken.