Kommentar zur Sozialhilfe in Dietikon
Fingerspitzengefühl ist gefragt, nicht die harte Hand

Wie schafft es Dietikon seine Sozialhilfequote zu senken? Der neue Sozialvorstand will dafür die Kontrollen verschärfen. Sein Problem: Für die Sozialhilfequote ist der Bevölkerungsmix entscheidender als der Anteil an Sozialhilfebetrügern.

Jürg Krebs
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Dietikon liegt mit 7,2 Prozent Sozialhilfequote im Kanton Zürich an der Spitze.

Dietikon liegt mit 7,2 Prozent Sozialhilfequote im Kanton Zürich an der Spitze.

Sophie Rüesch

Wer das soziale Existenzminimum für sich und seine Familie nicht mehr selbst decken kann, hat grundsätzlich Anspruch auf Sozialhilfe. Soweit sind sich alle in der Schweiz einig. Auch die Stadt Dietikon und die Ortsparteien. Dennoch ist die Sozialhilfe im Bezirkshauptort ein grosses Thema. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens weist Dietikon mit 7,2 Prozent die höchste Sozialhilfequote im Kanton aus. Und zweitens muss die Stadt derzeit jeden Rappen zweimal umdrehen.

Die Idee der ebenso klammen Stadt Winterthur einer Kantonalisierung der Sozialhilfe würde zwar die städtische Kasse entlasten, wurde vom Kantonsrat kürzlich aber verworfen. Dietikon bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen. Dietikons Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP) will deshalb genauer hinschauen, ob die Ansprüche berechtigt sind. Die Hoffnung dahinter: Sozialhilfe-Betrüger sollen entlarvt, Kosten eingespart werden. Deshalb muss das Controlling verstärkt werden. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus: Genauer hinschauen bedeutet eine engere Fallführung. Eine engere Fallführung bedeutet mehr Personal. Mehr Personal wiederum höhere Kosten. Genau das lehnt Bachmann aber ab. Ein Teufelskreis.

Die Lösung kann deshalb nicht in einfachen und öffentlichkeitswirksamen Forderungen gefunden werden. Sollen wirklich Kosten gespart werden, braucht es einen Mittelweg zwischen mehr Kontrolle und genauer Fallführung, also Fingerspitzengefühl. Damit lässt sich zwar keine Härte demonstrieren, doch könnte sich dieser Weg als erfolgreicher erweisen.

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