Zürcher Flüchtlingskonzept
Fakten und Fiktionen zur Flüchtlingsfrage

Regierungsrat Mario Fehr betont, der Kanton Zürich habe die Lage im Asylbereich im Griff.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Zusätzliche Matratzen in einer Asylunterkunft in Genf.

Zusätzliche Matratzen in einer Asylunterkunft in Genf.

Keystone

Kaum hatte Regierungsrat Mario Fehr (SP) gestern seine Medienkonferenz zur aktuellen Asylsituation im Kanton Zürich beendet, traf auch schon die Reaktion der SVP ein: «Mario Fehrs Beruhigungspillen», lautete der Titel, von einer «Placebo-Asyl-Medienkonferenz» war die Rede. Die SVP warf Fehr vor, mit dem Versuch, Normalität zu demonstrieren, «etwas Wahlkampf für die Sozis» zu betreiben. Was war geschehen? Fehr hatte betont, der Kanton habe die Lage im Griff, sei vorbereitet und die aktuellen Asylzahlen seien, verglichen mit früheren Krisenjahren, nicht dramatisch.

Wer hat recht? Beide. Jedes öffentliche Statement zu einem brisanten Thema ist so kurz vor den Wahlen ein Stück weit auch Wahlkampf. Das gilt für die SVP ebenso wie für Fehr. Gleichwohl gilt es, Fakten und Fiktionen zu unterscheiden. Wenn Fehr sagt, die Asylzahlen seien zu bewältigen und der Kanton Zürich habe die Lage im Griff, mag dies die momentane Faktenlage zutreffend beschreiben.

Wenn er gleichzeitig sagt, in den kantonalen Asylunterkünften müssten sich derzeit mehr Personen aufhalten als ursprünglich vorgesehen, zeigt dies allerdings auch: Die Situation ist bereits grenzwertig. Und wie sie sich weiterentwickeln wird, ist alles andere als klar. Hier beginnt das Reich der Fiktionen, der Interpretationen. Man kann Ängste schüren, wie dies die SVP zu tun pflegt. Man kann ruhig Blut bewahren, wie dies Fehr demonstriert. Die adäquateste Reaktion kommt derzeit allerdings von den Kirchen und aus der Bevölkerung: Man kann sich nämlich auch hilfsbereit und offen zeigen für die, die dem Elend und den Kriegen dieser Welt zu entfliehen versuchen.