Kommentar
Es hilft nur eines: Sich erklären, abgrenzen

Die Schweizer Muslime sehen sich wegen der «IS»-Diskussion einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt.

Jürg Krebs
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Limmattaler Muslime während des Gebets: «Wir distanzieren uns von allen Gewaltformen, die vom IS kommen», sagt VIOZ-Präsident Mahmoud El Guindi.

Limmattaler Muslime während des Gebets: «Wir distanzieren uns von allen Gewaltformen, die vom IS kommen», sagt VIOZ-Präsident Mahmoud El Guindi.

Sophie Rüesch

Wieder einmal fühlen sich die Muslime in der Schweiz einem Generalverdacht ausgesetzt: Sind sie vielleicht alle verkappte Sympathisanten dieser schrecklichen «IS»-Kämpfer? Jene operieren in Syrien und im Irak und verbreiten hierzulande nicht zuletzt durch die Köpfung westlicher Geiseln Schrecken.

Ernsthaft eine Verbindung zwischen den Schweizer Muslimen und dem Islamischen Staat herstellen zu wollen, ist absurd. Es gibt kaum eine Gemeinsamkeit – ausser der Religion. Kein Wunder distanzieren sich die Schweizer Muslime vom Terror des «IS», verabscheuen dessen Taten wie Ziele. Sie tun dies glaubhaft. Nur der Islamische Zentralrat der Schweiz nutzte die Diskussion zur Werbung in eigener Sache und sinnierte über Sinn und Zweck eines Dschihads (Glaubenskrieges) nach – und befeuerte damit die Diskussion, welche die anderen Organisationen am Löschen waren. Die Schweizer Muslime bilden keine Gefahr. Gleichwohl hat der Verfassungsschutz wachsam zu sein, um mögliche radikale Zellen, die in Europa Fuss fassen, von Beginn an auszuschalten.

Das alles nutzt den friedfertigen Schweizer Muslimen nichts. Ihr Bild wird von den Vorgängen im Irak und in Syrien mitgeprägt. So war das auch damals nach «9/11», die Annahme der Minarettinitiative war Ausdruck dieses Misstrauens. Und deshalb hilft nur, was die Muslime derzeit mit gemischten Gefühlen machen: sich erklären, sich abgrenzen, sich der Diskussion stellen. Sie wollen zwar zu Recht nicht ständig über Probleme wahrgenommen werden – und kommen doch nicht um den Diskurs herum.