Dietikon
Empfindung ist nicht gleich Realität

Das Sicherheitsempfinden der Dietiker hat zugenommen. Das sagt wenig über die Sicherheitslage aus.

Tobias Hänni
Tobias Hänni
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Dietikon Verkehr 2.jpg

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Limmattaler Zeitung

Dietikon ist in der Wahrnehmung seiner Einwohner sicherer geworden – das zeigt eine Umfrage, welche die Stadt diesen Sommer durchgeführt hat. Im Vergleich zu einer ersten Befragung 2011 stieg der Anteil jener, die sich sicher oder sehr sicher fühlen, von 81 auf 87,6 Prozent.

Das mag eine statistisch bedeutsame und erfreuliche Veränderung sein, sagt aber wenig über die objektive Sicherheitslage aus. So zeigen zahlreiche Studien zum subjektiven Sicherheitsempfinden: Es widerspricht oft der Realität, das heisst der polizeilichen Einschätzung oder den Kriminalitätsstatistiken.

Diesen Widerspruch offenbart auch die Dietiker Befragung: Der Bahnhof wird mit Abstand als unsicherster Ort der Stadt wahrgenommen, obwohl er als belebter Platz mit hoher Polizeipräsenz und einer guten Beleuchtung auch nachts vor allem auf Kriminelle abschreckend wirken müsste.

Auch, dass Littering als grösstes Sicherheitsproblem empfunden wird, verdeutlicht: Die Ängste sind oft diffus. Was verwahrlost und dreckig ist, wirkt gefährlich – auch wenn die Gefahr, Opfer eines Verbrechens zu werden, wenig mit der Sauberkeit eines Ortes zu tun hat.

Das heisst nun nicht, dass den Ergebnissen der Befragung keine Beachtung geschenkt werden sollte. Denn auch wenn das Empfinden nicht zwingend der Realität entspricht, wirkt es sich auf diese aus: Wenn Frauen Unterführungen meiden oder ältere Menschen Plätze, bedeutet das nicht nur eine Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Sondern auch die Gefahr, dass ihre Ängste Wirklichkeit werden: Einem gemiedenen Ort geht die soziale Kontrolle verloren – und er wird zum Nährboden für Kriminalität.