Kommentar
Eine kalte Vorschrift

Lina Giusto
Lina Giusto
Merken
Drucken
Teilen
Im Gegensatz zur städtischen Notschlafstelle ist der Pfuusbus stark ausgelastet.

Im Gegensatz zur städtischen Notschlafstelle ist der Pfuusbus stark ausgelastet.

KEYSTONE

Der Pfuusbus der Sozialwerke Pfarrer Sieber in Zürich zählt bereits 1000 Übernachtungen mehr als letzten Winter. Dies trotz bislang milden Temperaturen – abgesehen von den letzten Tagen. Die städtische Notschlafstelle dagegen ist nicht ausgelastet. Im Schnitt sind 35 der 52 Schlafplätze belegt. Eine Erklärung dafür findet sich im städtischen Auftrag von 2012.

Die Notschlafstelle bietet volljährigen, obdachlosen Frauen und Männern aus der Stadt Zürich ein Bett für die Nacht, Verpflegung und eine Waschgelegenheit. Kosten: fünf Franken pro Nacht und in bar. Der Aufenthalt ist auf vier Monate beschränkt. 365 Tage im Jahr betreuen und beraten die Fachpersonen vor Ort die Nutzer und vermitteln Anschlusslösungen. Auswärtige Personen in Notlagen werden für eine Nacht aufgenommen. Danach wird mit der für sie zuständigen Gemeinde nach Lösungen gesucht. Diese Vorschrift, die aus der Zeit der offenen Drogenszene in Zürich stammt, gilt es zu hinterfragen.

Es mag gelten, dass die städtische Notschlafstelle einen Gesetzesauftrag erfüllt und sich deshalb von den Sozialwerken Pfarrer Siebers unterscheidet und dass die Wohnsitzgemeinde für die Sozialhilfe und damit für die Unterbringung einer Person zuständig ist. Die Notschlafstelle dürfte eine der letzten Anlaufstellen für Menschen in Not sein. So viele wie in Zeiten der offenen Drogenszene sind es aber nicht mehr. Und Anschlusslösungen lassen sich selten innerhalb von 24 Stunden organisieren. Deshalb sollte es keine Rolle spielen, woher die Person und ihr Geld für die Übernachtung stammen.