Apropos
Ein Roboter für faule Konsumenten

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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In der Zürcher Innenstadt wird man sich in den nächsten Wochen an einen neuen Verkehrsteilnehmer gewöhnen müssen: Die Post und Jelmoli testen einen Lieferroboter. Das Ding erinnert entfernt an einen Kinderwagen und zuckelt hightech-selbstgesteuert im Schritttempo über die Trottoirs, um Online-Kunden innert einer Stunde ein Paar Schuhe, ein neues Hemd oder einen Geschenkkorb mit Champagner zu bringen. Das ist die Idee, die die PR-Verantwortlichen der beiden Unternehmen gestern verklickerten. Eine tolle Idee: Ich könnte also in meiner Lieblingsbar sitzen, merken, dass mein Schuh kaputt ist – und mir bis zum übernächsten Bier neues Schuhwerk liefern lassen, ohne mich zu bewegen. Gleichzeitig würde dann dieses Wägelchen den Platz für Fussgänger noch mehr verknappen.

Der Roboter für faule Konsumenten ist erst in der Testphase. Und es gäbe zweifellos die eine oder andere sinnvolle Anwendung für dieses Wägelchen; auch für die Drohnen, die die Post ebenfalls als Bestandteil ihres künftigen Logistik-Angebots ausprobiert. Aber, mit Verlaub: Wenn das die Zukunft des Einkaufens sein soll, dann nichts wie weg aus der Innenstadt, in der Flaneure auf den Trottoirs sich künftig nicht nur vor rücksichtslosen Velofahrern in Acht nehmen, sondern auch noch Robotern ausweichen müssen. Lang lebe die soziale Interaktion!