Kommentar zu Fall Flaach
Ein heuchlerischer Entscheid des Kantonsrats

Auch nach dem Fall Flaach will der Kantonsrat den Kesb keinen Pikettdienst vorschreiben. Der Entscheid ist heuchlerisch und sollte nochmals überdacht werden. Das sind die Gründe dafür.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Das Haus in Flaach, in dem die beiden Kinder getötet wurden
11 Bilder
Zwei Kinder getötet – flüchtige Mutter verhaftet
Die Mutter der Kinder wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen.
Sie hatte sich selbst verletzt und konnte vorderhand nicht befragt werden.
Der Vater sitzt im Gefängnis.
Beide Eltern waren Anfang November verhaftet worden.
Die Kinder wurden daraufhin in einem Heim platziert.
Polizei vor Ort.
Familiandrama in Flaach
Familiandrama in Flaach
Familiandrama in Flaach

Das Haus in Flaach, in dem die beiden Kinder getötet wurden

Keystone

In zwei Punkten waren sich Kantonsräte aller Parteien am Montag einig: Ein Pikettdienst der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) hätte das Drama von Flaach, bei dem eine Mutter ihre beiden Kinder am 1. Januar dieses Jahres tötete, wohl nicht verhindert. Und: Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass die Kesb auch an Festtagen erreichbar sind. Zu einschneidend sind ihre Befugnisse, als dass festtagsbedingte Unerreichbarkeit akzeptabel wäre. Schliesslich entscheidet die Behörde darüber, ob Familien auseinandergerissen und Kinder in Notsituationen in Heime eingewiesen werden.

Dennoch lehnte die bürgerliche Mehrheit, bestehend aus SVP, FDP, EDU und GLP, das Postulat ab, mit dem die Ratslinke den Regierungsrat auffordern wollte, die Erreichbarkeit und Entscheidfähigkeit der Kesb an Festtagen zu gewährleisten. Sie überstimmte damit auch den bürgerlich dominierten Regierungsrat.

Mit Verlaub: Der Entscheid der Kantonsratsmehrheit ist heuchlerisch. Denn wenn die Erreichbarkeit der Kesb selbstverständlich sein sollte, spricht nichts dagegen, dies verbindlich festzulegen. Hinter dem Nein dazu steckt zum einen die Angst vor zusätzlichen Kosten; zum anderen die Ahnung, dass es im Fall Flaach wohl weniger an einem Pikettdienst als vielmehr an intensiver Betreuung der Mutter in einer Notsituation fehlte. Beides ist berechtigt.

Nur: Deswegen den Kopf in den Sand zu stecken und Reformen schon im Keim zu ersticken, nützt gar nichts. Der Kantonsrat sollte seine Haltung überdenken. Gelegenheit dazu hat er, sobald die noch hängige parlamentarische Initiative für einen Kesb-Pikettdienst traktandiert ist.