Kommentar
Drin ist nicht, was draufsteht

Leo Eiholzer
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Der neue GAV gilt nur für Express-Shops mit Tankstelle. (Symbolbild)

Der neue GAV gilt nur für Express-Shops mit Tankstelle. (Symbolbild)

Keystone

Der neue Generalarbeitsvertrag für Tankstellenshops kreiert eine absurde Situation. Ob er für Express-Shops gilt oder nicht, hängt nämlich davon ab, ob diese eine Tanksäule haben. Shops der gleichen Kette in Bahnhöfen können Mitarbeiter weiter unreguliert anstellen.
Zwar ist das Zustandekommen des GAV generell positiv zu werten. Zu oft schon gab es Schlagzeilen über Tankstellenshop-Besitzer, die ihre Mitarbeitenden ausbeuten. Doch die Ungleichbehandlung, die zustande kommt, weil Tankstellenshops und Shops in Bahnhöfen zu unterschiedlichen Branchen zählen, ergibt keinen Sinn.

Und: Dass weiterhin unregulierte Express-Shops existieren, ist eine Schande. Denn der allergrösste Teil dieser Geschäfte gehört zu den grossen Playern Migros und Coop. Indem diese Mitarbeitende nicht direkt anstellen, sondern ihre Tochterfirmen als Lizenzgeber auftreten lassen, stehlen sie sich aus der Verantwortung. Beide rühmen sich mit sozialer Handlungsweise. Im Fall ihrer indirekt Angestellten ist es damit aber nicht weit her. Diese profitieren nicht von den grosszügigen Betriebs-GAVs beider Unternehmen. Es wird nicht einmal kontrolliert, ob sie zu ordentlichen Bedingungen angestellt sind. Für die Topmanager von Coop und Migros sind Mitarbeitende unsichtbar, sobald sie hinter den Logos und juristischen Konstrukten der Tochterunternehmen verschwinden.

Als Kunde gehe ich davon aus: Wo Coop oder Migros draufsteht, ist auch Coop oder Migros drin – inklusive der Arbeitsbedingungen. In diesem Fall ist das Ganze aber ein Etikettenschwindel.