Inländervorrang
Die Wirtschaft ist auch in der Pflicht

Der Kanton Zürich hat zusammen mit dem Arbeitgeberverband ein Modell präsentiert, welches die Zuwanderung drosseln soll, ohne den Fachkräftemangel zu verschärfen. Auch die Wirtschaft muss ihren Teil leisten: Dort, wo kaum Fachkräftemangel herrscht, soll sie vermehrt auf inländische Arbeitskräfte zurückgreifen.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Im Beruf Kassierer käme ein Inländervorrang zur Anwendung.

Im Beruf Kassierer käme ein Inländervorrang zur Anwendung.

Keystone

Jetzt wirds konkret mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative: Der Kanton Zürich hat gestern zusammen mit dem Arbeitgeberverband und anknüpfend an die Vorschläge der Staatspolitischen Kommission des Nationalrats ein Modell präsentiert, um den gordischen Knoten zu lösen. Anders gesagt: um die Zuwanderung zu drosseln, ohne den Fachkräftemangel zu verschärfen. Der Wirtschaftskanton setzt dabei auf eine nach Berufen differenzierte Herangehensweise. Das ergibt Sinn: Bei Berufen, für die ohnehin zu wenig inländisches Personal vorhanden ist, bringt ein Inländervorrang nämlich nichts.

Das Zürcher Modell verzichtet auf Zwangsmassnahmen wie Kontingente oder strikte Verpflichtungen, Inländer vorzuziehen. Auch darin ist es pragmatisch, denn alles andere würde langwierige Verhandlungen mit der Europäischen Union voraussetzen. Und die hiesige Wirtschaft ist jetzt weiterhin auf gut ausgebildete Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. So schafft etwa die boomende Informatik- und Kommunikationsbranche in der Schweiz jedes Jahr mehr als doppelt so viele neue Stellen, wie sie Nachwuchskräfte hervorbringt. Arbeitskräfte-Import bleibt daher für das Gedeihen der Wirtschaft wichtig. Einschränkungen in Berufen mit grossem Fachkräftemangel wären kontraproduktiv.

Doch die Wirtschaft ist auch in der Pflicht: Dort, wo kaum Fachkräftemangel herrscht, soll sie vermehrt auf inländische Arbeitskräfte zurückgreifen. Das Zürcher Modell sieht vor, dass Betriebe es begründen müssen, wenn sie Stellensuchende abweisen, die ihnen von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zugewiesen werden. So wird die Wirtschaft mit sanftem Druck an die Pflicht erinnert, die ihr das Volk per Masseneinwanderungsinitiative auferlegt hat. Gut so. Gar kein Druck wäre nämlich ebenso falsch wie Zwang.

kontakt: matthias.scharrer@azmedien.ch