Kommentar
Die Schweiz soll offen bleiben

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion hat es unter den gegebenen Bedingungen abgelehnt, einen muslimischen Kindergarten in Volketswil zu bewilligen.

Jürg Krebs
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Es wird hierzulande vorerst keinen muslimischen Kindergarten geben. Das Zürcher Volksschulamt hat ein Gesuch des Vereins Al Huda abgelehnt. Es argumentiert, dass Religion in dessen Betriebskonzept zu zentral und die Verbindung zum als radikal geltenden, unter Muslimen umstrittenen Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) problematisch sei. Kurz: Das Volksschulamt fürchtet, dass der Kindergarten mehr Koran- denn Volksschule ist. Der IZRS spricht von Stimmungsmache.

Er irrt. Eine offene und pluralistische Gesellschaft bildet das Fundament der Schweiz, Religion ist Privatsache. Die Volksschule ist aufgrund ihrer Lehr- und Erziehungsaufgabe eine Garantin dafür. Um sich nicht dem Vorwurf der Einseitigkeit auszusetzen, prüft das Volksschulamt nun auch die vor langer Zeit erteilten Bewilligungen jüdisch-orthodoxer Schulen.

Klar ist, auch von Religionsgemeinschaften betriebene Privatschulen sollen möglich bleiben. Doch deren Lehre muss mit einer offenen, pluralistischen Gesellschaft kompatibel bleiben. Im vorliegenden Falle bestehen an diesem Grundsatz berechtigte Zweifel. Diese zu zerstreuen, ist jetzt Aufgabe des Vereins Al Huda. Tut er dies, steht auch einem muslimischen Kindergarten nichts im Wege – aber eben nur dann.