Kommentar
Die Schulen können gezielt korrigieren

Das war deutlich: Zwei Drittel der Zürcher Stimmberechtigten haben die Klassengrösseninitiative abgelehnt.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Zusätzliche Lehrerstellen für schwierige Klassen: Diese Forderung hat eine knappe Mehrheit des Zürcher Stimmvolks angenommen.

Zusätzliche Lehrerstellen für schwierige Klassen: Diese Forderung hat eine knappe Mehrheit des Zürcher Stimmvolks angenommen.

Keystone

Mit ihrer zu starren Forderung nach einer Einheits-Obergrenze von 20 Schülerinnen und Schülern pro Klasse hat die EVP Schiffbruch erlitten. Zu Recht, denn sonst wären auch Klassen verkleinert worden, die bestens funktionieren. Merke: Das Giesskannenprinzip eignet sich nicht zur Lösung von durchaus vorhandenen Problemen in der Schule.

Weniger deutlich war das Ja zum Gegenvorschlag, der 100 zusätzliche Lehrerstellen zur Entlastung in schwierigen Klassen bringt. Den Ausschlag gaben die drei grössten Städte im Kanton Zürich. Offenbar wird in den Städten der Problemdruck am stärksten empfunden. Oft sind es ein paar wenige Schüler, die durch ihr Verhalten oder ihren speziellen Förderbedarf eine Klasse aus dem Gleichgewicht und ihre Lehrkraft an den Anschlag bringen. Ob die betreffende Klasse 18, 20 oder 25 Schülerinnen und Schüler hat, ist dabei zweitrangig. Das Problem ist die Integration besonders schwieriger Schüler in die Regelklassen.

In solchen Fällen erlaubt es der nun angenommene Gegenvorschlag den Schulen, gezielt zu korrigieren – und zwar in grösserem Ausmass als bisher: Statt 160 stehen künftig bei Bedarf 260 Lehrerstellen dafür zur Verfügung. Ob das genügt, wird sich zeigen. Bislang überstieg die Nachfrage nach Lehrkräften aus dem nun aufgestockten Entlastungspool jedenfalls das Angebot des Kantons.

Zeigen wird sich auch, ob der Markt die zusätzlichen Lehrkräfte überhaupt hergibt. Denn nicht nur zu grosse Klassen sind ein Thema, über das Zürcher Lehrerinnen und Lehrer respektive ihr Verband seit Jahren klagen. Auch die Löhne respektive das Ausbleiben von in den kantonalen Reglementen festgelegten Lohnanpassungen nach oben gehören+ zum bekannten Klagelied der Lehrer. Die Klagen sind ernst zu nehmen, denn Bildung ist und bleibt ein kostbares Gut. Angesichts des chronischen Lehrermangels ist der Kanton gut beraten, den Anliegen der Lehrer Gehör zu schenken.