Kommentar
Die Schule kann nicht alle Probleme lösen

Der Kanton Zürich hat in den letzten Jahren eine massive Zunahme der Fallzahlen in der Sonderschulung erlebt. Das liess auch die Kosten explodieren. Gemeinden wie Dietikon können ein Lied davon singen – ein Klagelied.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Die angestrebte Sonderschülerquote von 3,5 Prozent wird noch überschritten.key

Die angestrebte Sonderschülerquote von 3,5 Prozent wird noch überschritten.key

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Die Hintergründe sind vielfältig. Ein wichtiger Grund dürfte im Systemwechsel liegen, der mit der Einführung des neuen Volksschulgesetzes von 2005 vollzogen wurde: Integrative Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bedürfnissen war seither angesagt.

Die Sonderschulung in Regelklassen verzeichnete denn auch die grössten Zuwachsraten bei den Fallzahlen, während die separierte Sonderschulung aber nicht etwa abnahm, sondern stagnierte.

Mit einem Massnahmenpaket hat der Kanton das Problem schon 2013 angegangen – offenbar mit Erfolg, wie sich nun zeigt: Die Fallzahlen sind seither leicht gesunken, allerdings immer noch auf deutlich höherem Niveau als 2005.

Trotz der ergriffenen Steuerungsmassnahmen: Ein Problem bleibt.

EVP-Kantonsrat Johannes Zollinger, einer der erfahrensten Zürcher Bildungspolitiker, brachte es gestern auf den Punkt: «Solange wir glauben, dass die Schule alle Erziehungsprobleme lösen soll, werden die Kosten steigen.»

In den Schulen wurde im Zuge der integrativen Förderung ein umfassender Betreuungsapparat aufgebaut, der sich, wie jeder Apparat, nun auch Beschäftigung sucht. Wie weit dieser personalintensive Apparat tatsächlich nötig ist, gilt es immer wieder zu überprüfen. Ansonsten droht nicht zuletzt die Gefahr, dass Eltern zu viele Erziehungsaufgaben der Schule überlassen.

Den Artikel zum Thema lesen Sie hier.