Kommentar
Die Renaturierung hält die Region trocken

Was tun, wenn der Mensch immer näher ans Wasser baut und beim geringsten Hochwasser Schäden zu beklagen hat? Rettung bietet die Natur: Die Limmat und Reppisch werden stellenweise renaturiert. Damit erhalten die Flüsse mehr Platz.

Jürg Krebs
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Geflutete Auen bewahren das Limmattal vor Überschwemmungen.

Geflutete Auen bewahren das Limmattal vor Überschwemmungen.

Nach dem Hochwasser von letzter Woche im Emmental und im Zürcher Oberland war die Nervosität am Montag gross. Tatsächlich hat es seither auch in der Region Zürich ausgiebig geregnet, aber Hochwasser war weder im Reppisch- noch im Limmattal zu vermelden. Zum Glück. Dass die Region verschont geblieben ist, ist nicht selbstverständlich. 1911, beim letzten Jahrhundertereignis, war das Limmattal grossflächig unter Wasser geraten.

1999 verursachten Reppisch und Limmat letztmals grosse Schäden. Längst ist erkannt, dass nicht nur unberechenbare Naturgewalten das Schicksal bestimmen, sondern auch der Mensch mit seiner Landschafts- und Siedlungsgestaltung. Wer nahe ans Wasser baut, braucht sich über einen feuchten Keller nicht zu beklagen. Die Flussbegradigung vor über 100 Jahren brachte zwar mehr Ackerland und Siedlungsgebiet, die Gefahr blieb aber.

Die Lösung für Limmat und Reppisch heisst heute: Renaturierung. Zuletzt in Oberengstringen, aber auch in Unterengstringen und Geroldswil hat die Limmat Ausgleichsflächen erhalten. Bald kommt – im Zusammenhang mit der Neukonzessionierung des EKZ – auch Dietikon hinzu. Das Gleiche geschah im Raume Birmensdorf mit der Reppisch. Diesen Spielraum brauchen die Gewässer, damit bei Unwettern der Wasserpegel reguliert wird und Siedlungsgebiete verschont bleiben.

Hinzu kommt, dass Zürich- und Sihlsee bereits vor Unwettern kontrolliert abgelassen werden, um später mehr Wasser aufnehmen zu können. Diese Massnahmen zusammen tragen dazu bei, dass die Region Zürich – anders als Altstätten SG – gestern von Hochwasser verschont blieb.

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