Kommentar
Die Idee verdient Aufmerksamkeit

Der Aufschrei liess nicht lange auf sich warten. Kaum wurde gestern publik, dass zwei politische Vorstösse die Fusion von Schlieren und Dietikon mit Zürich vorschlagen, wurden online die ersten bösen Reaktionen aufgeschaltet: «Wir Schlieremer wissen am besten, was gut für uns ist», heisst es da. Oder auch, Zürich habe Schlieren nicht verdient.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
In Dietikon und Schlieren verlangen zwei Vorstösse die Eingemeindung.

In Dietikon und Schlieren verlangen zwei Vorstösse die Eingemeindung.

Sandra Ardizzone

Solche Reaktionen sind zu erwarten. Fusionen sind, zumindest am Anfang, meist unbeliebt. Sie werden gern von einer Angst vor Identitätsverlust begleitet.

Trotzdem darf man die Idee nicht gleich verwerfen. Laut Politgeograf Michael Hermann ist es die grösste Chance der Region zwischen Zürich und Baden, dass sie sich immer mehr als eine Limmatstadt verstehe.

Als natürliche Entwicklung der Kernstadt Zürich werde sie noch attraktiver, denn mit fortschreitender Urbanisierung entstünden wieder kleinräumigere Strukturen.

Eine Fusion könnte auch die finanziellen Probleme der Limmattaler Städte lösen, die mit Zentrumslasten zu kämpfen haben, dafür aber nicht entschädigt werden.

Zudem sind Zürich, Schlieren und Dietikon geografisch sowieso bereits eine Einheit. Und wer als Expat ins Limmattal zieht, wähnt sich schon heute in einem Aussenquartier von Zürich.

Als 1929 über eine Zürcher Eingemeindung von Schlieren – und elf anderen Gemeinden – abgestimmt wurde, war der Kanton zwar dagegen, die Schlieremer Bevölkerung aber mit überwältigender Mehrheit dafür.

Heute darf man davon ausgehen, dass die Idee nicht mehrheitsfähig ist. Als gedankliches Experiment ist sie aber allemal spannend.

Den Artikel zum Kommentar lesen Sie hier.