Kommentar
Die grosse Freiheit beim kleinen Münz

Ein Schlieremer wollte eine Parkbusse mit hunderten Münzstücken zahlen. Die Stadtpolizei wollte das Geld nicht entgegennehmen. Trotzdem: Die Schweiz hat in Sachen Münz eine ziemlich liberale Gesetzgebung.

David Egger
David Egger
Drucken
Teilen
Geld stinkt nicht. Oder doch?

Geld stinkt nicht. Oder doch?

Keystone

Parkbussen sind unschön. Das sagte sich auch der Schlieremer Automobilist, der die ihm auferlegte Parkbusse von 40 Franken vor allem mit Fünfräpplern zahlen wollte. Da ihm die Stadtpolizei dies verwehrte, geriet sie in die nationalen Gratis-Schlagzeilen. Falsch gemacht hat die Stadtpolizei zwar nichts, wie ein Blick ins Bundesgesetz über die Währung zeigt. Nur bis zu 100 Münzstücke muss eine Person annehmen. Wer genau hinschaut, merkt: Das ist eine im Vergleich sehr liberale Vorschrift.

Schweiz erlaubt doppelt so viel Münz wie Deutschland

Denn in Deutschland sind die Zahlungsempfänger zur Annahme von maximal 50 Münzen verpflichtet. Schon 1999, in seiner Botschaft zum neuen Währungsgesetz, schrieb der Bundesrat: «Aus Gründen der Praktikabilität ist die Annahmepflicht für Münzen in den meisten Ländern limitiert. Mit einer Stückzahl von 100 bewegt sich die Schweiz international betrachtet eher in der oberen Bandbreite der Limiten.» In Münzfragen gilt in der Schweiz also nicht nur eine klare Reglementierung, sondern auch eine verhältnismässig grosse Freiheit.

Es ist wirklich verflixt

All das ändert freilich nichts daran, dass Geld zwar nicht stinkt, aber der Sinn von Fünfräpplern weiterhin unergründlich bleibt. Diese 17 Millimeter grossen und 1,8 Gramm schweren Aluminiumbronzestücke (zu lesen in der Münzverordnung) sind das prominenteste Beispiel dafür, dass eben nicht alles Gold ist, was glänzt. Ich habe mehrere hundert davon. Und keine Ahnung, was ich damit machen soll. Eine Idee ist es, damit Parkgebühren statt Parkbussen zu bezahlen. Doch leider lassen sich Parkplatzautomaten nicht mit Fünfräpplern füttern. Es ist wirklich verflixt.

david.egger@azmedien.ch

Aktuelle Nachrichten