Wahlen
Die FDP und die Angst vor zu viel Vorschuss-Lorbeeren

Wenn ein Plakat mit einem zu High Heels umgestalteten Fussballschuh zum Thema wird, dann ist das ein untrügliches Zeichen – es ist Wahlkampf. Die Aufregung lenkt aber vom Wesentlichen ab.

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Die FDP im Wahlkampf.

Die FDP im Wahlkampf.

Keystone

Die grosse Frage ist nicht, ob Nationalrätin Doris Fiala mit einem solchen Schuh Fussball spielen könnte, wenn sie denn wollte. Es geht vielmehr darum, welche politischen Lösungen sie bereithält. Doch was sind die entscheidenden Fragen dieses Herbstes? Eine Auslegeordnung aus Zürcher Sicht.

Nationalratswahlen: Auf Fialas Partei, die FDP, zu fokussieren, ist im Wahljahr 2015 angebracht. Aus den für die Schweiz richtungsweisenden Kantonalzürcher Wahlen vom Frühjahr gingen die Freisinnigen nämlich als Sieger hervor. Eine Zeitenwende für eine stolze Partei, der zuletzt ein Verlierer-Image anhaftete. Es würde verwundern, sollte sich der Aufwärtstrend bei den National- und Ständeratswahlen am 18. Oktober nicht auch national fortsetzen. Entsprechend selbstbewusst treten die Zürcher Exponenten auf und träumen davon, zweitstärkste Kraft im Kanton Zürich, aber auch in der Schweiz zu werden.

Der Sieg ist allerorts so stark eingeplant, dass Parteichef Philipp Müller bereits auf die Erwartungsbremse tritt. Aufhorchen liess die Partei, dass die «Bilanz» kürzlich nicht die Liberalen, sondern die Grünliberalen zur wirtschaftsfreundlichsten Partei kürte.

Die Aufsplitterung der Mitte war ein Charakteristikum der Kantonalzürcher wie der nationalen Wahlen 2011. Nicht zuletzt der Fukushima-GAU gab Parteien wie GLP und BDP, die früh auf den Atomausstieg setzten, Auftrieb. Nun droht das Pendel zurückzuschlagen. Das wirft Fragen auf: Kann die Zürcher BDP ihre beiden Sitze halten? Wie stark bricht die GLP ein? Und darüber hinaus: Wie stark triffts im linken Spektrum die Grünen? Klar ist: Die Mitteparteien GLP, BDP, EVP und CVP versuchen mit einer Listenverbindung, Gegensteuer zu geben.

Die Themen: Flüchtlinge und Europa

Mit ins Boot holen sie die bislang verschmähte Umweltgruppierung Ecopop. Diese ist auf Einwanderungsfragen fokussiert (auch wenn ihre Initiative im letzten November Schiffbruch erlitt) und soll Stimmen bringen von Einwanderungsskeptikern und -gegnern. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Doch klar ist, dass das Thema Flüchtlinge – neben dem Verhältnis Schweiz - Europa – den Menschen hierzulande unter den Nägeln brennt. Mit den Piraten, die ebenfalls in die Listenverbindung aufgenommen wurden, wird um jene gebuhlt, denen Themen wie die NSA-Affäre und Internetüberwachung
nahegehen.

Und die beiden Grossen – SP und SVP? Die SVP schielt auf einen Sitzgewinn. Immerhin steht dem Kanton Zürich aufgrund des Bevölkerungswachstums ein 35. Sitz zu. Aktuell sieht die Sitzverteilung folgendermassen aus: Die SVP hält 11 Sitze, die SP 7, die FDP deren 4, genauso viele wie die GLP. Die Grünen kommen auf 3, BDP und CVP halten 2 und die EVP einen. Letztere müssen sich anstrengen, die Alternative Liste und die EDU streben einen Sitz an.

Ständeratswahlen: Welches Duo das selbst erklärte Dreamteam Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP) beerben soll, das wird kaum im ersten Wahlgang entschieden. Die Parteistrategen haben den zweiten Wahlgang vom 22. November fest im Auge. Allianzen sind, wenn überhaupt, erst nach dem 18. Oktober ein Thema. Und die Prognose? Von Unternehmer Ruedi Noser wird letztlich eine problemlose Wahl und damit die Verteidigung des FDP-Sitzes erwartet. Der Atmosphärenwissenschafter Martin Bäumle hingegen wird es schwer haben, Parteikollegin Verena Diener und damit den zweiten Zürcher Sitz zu beerben. Er ist zwar bekannt, seine GLP aber weniger nachgefragt.

Die wählerstarken Parteien SP und SVP treten mit Rechtsprofessor Daniel Jositsch (SP) und Wirtschaftsprofessor Hans-Ueli Vogt (SVP) an. Die Zürcher SP sieht ihre Chance, nach 32 Jahren endlich wieder im Ständerat vertreten zu sein. Die Frage bei der SVP: Kann sie ihre Schwäche bei Personenwahlen diesmal überwinden und im zweiten Wahlgang eine geschickte Allianz eingehen? Der Grüne Bastien Girod hat nicht mehr als Aussenseiterchancen. Für Barbara Schmid-Federer (CVP) und Maja Ingold (EVP) geht es in erster Linie um die Wiederwahl in den Nationalrat und um Aufmerksamkeit für ihre Parteien. Alle weiteren Kandidierenden sind chancenlos.

Der lange Arm des Limmattals nach Bundesbern

Bezirk Dietikon: Es stimmt schon, bei den National- und Ständeratswahlen geht es nicht darum, die eigene Region und damit deren Kandidaten in den Vordergrund zu rücken. Aber genauso richtig ist es, dass Nationalräte ihrer Region helfen können. Sie können sich in Bundesbern persönlich für Anliegen starkmachen und haben Informationen aus erster Hand. Parteizugehörigkeit hin oder her: Es ist richtig, dafür zu sorgen, dass mindestens ein Kandidat der Region die Wahl schafft. Der Aescher Hans Egloff (SVP) half mit, dass das Limmattal eine Überdeckung der A1 vor dem Weininger Gubristportal erhält. Von einer solchen wollte das Bundesamt für Strassen lange Zeit nichts wissen. Doch Egloff ist auch der einzige Limmattaler Politiker mit guten Chancen auf einen Nationalratssitz. Mit dem Bisherigenbonus und einem guten Listenplatz seiner Partei im Gepäck dürfte einer zweiten Amtsdauer nichts im Wege stehen. Um die Wahl kämpft auch der Dietiker Unternehmer Josef Wiederkehr (CVP) – mit Chancen. Doch die vor ihm liegende Konkurrenz ist gross.