Kommentar
Die Deutschpflicht ist nicht verhältnismässig

Weil sich Schweizer Kinder auf dem Pausenplatz von ihren ausländischen Schulgspänli ausgeschlossen fühlen, wenn diese sich in ihrer Muttersprache unterhalten, führt die Solothurner Gemeinde Egerkingen eine strikte Sprachregelung ein.

Tobias Hänni
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Die Deutschpflicht ist nicht verhältnismässig. (Symbolbild)

Die Deutschpflicht ist nicht verhältnismässig. (Symbolbild)

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Ab nächstem Schuljahr gilt auf dem ganzen Areal der Primarschule Deutschpflicht. Für die Regelung mit Strafandrohung wurde die Gemeinde in den vergangenen Wochen heftig kritisiert.

Auch Limmattaler Schulen, die überdurchschnittlich viele fremdsprachige Schüler unterrichten, können ihr nicht viel abgewinnen – zu Recht.

Ein Fremdsprachenverbot – und das ist die Deutschpflicht letztlich – bedeutet eine schwerwiegende Einschränkung der in der Verfassung garantierten Sprachenfreiheit.

Eine solche Einschränkung ist für die Unterrichtszeit legitim, weil hier das öffentliche Interesse an einem funktionierenden Schulbetrieb stärker zu gewichten ist als das Recht des Einzelnen, die eigene Sprache zu sprechen.

Für den Pausenplatz lässt sich ein solches Verbot hingegen nicht rechtfertigen. Auch wenn die sprachliche Ausgrenzung für die betroffenen Schüler eine grausame Erfahrung sein kann, ist die Deutschpflicht auf dem Pausenplatz unverhältnismässig.

Sie bestraft sämtliche fremdsprachigen Schüler, nicht nur jene, die ihre Muttersprache dazu missbrauchen, andere auszuschliessen.

Die Sprachregelung ist aber nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus pädagogischer Sicht fragwürdig. Denn Mobbing, egal in welcher Form, liess sich noch selten mit Verboten aus der (Schul-)Welt schaffen.

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