Kommentar
Die Bar als blosser Treffpunkt hat es zunehmend schwer

Ende Jahr ist Schluss mit einer von Zürichs ältesten Bars: Die 1947 eröffnete «Züri Bar» im Niederdorf schliesst.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Die Züri Bar kurz vor der Türöffnung.

Die Züri Bar kurz vor der Türöffnung.

watson.ch

Zugegeben, es gibt gewichtigere Ereignisse, zumindest vordergründig. Und doch stimmt diese Schliessung nachdenklich, verschwindet damit doch eine Institution des schlichten menschlichen Zusammenseins.

Die «Züri Bar» ist eine der letzten ihrer Art, ein blosser Treffpunkt – eine «ehrliche Bar», wie es eine Kollegin einmal treffend formulierte. Jahrzehntelang lockte vor allem ein Anreiz Menschen hierher: Es war – und ist noch wenige Wochen – ein Ort, um nicht allein zu sein. Menschen treffen hier auf Menschen, reden oder schweigen miteinander, trinken, rauchten, während draussen der Alltagstrubel vorbeizog.

Solche Orte haben es heute zunehmend schwer. Ablenkung vom schlichten Zusammensein ist offenbar gefragter: Flimmernde Bildschirme, Konzerte (gab es sporadisch auch in der «Züri Bar», die aber eigentlich zu klein dafür war), trendiges Design, Handymeldungen, die ständig darauf hinweisen, dass andernorts noch Spannenderes lossein könnte.

Die «Züri Bar» widersetzte sich jeglichen Moden. Ihr Interieur blieb jahrzehntelang praktisch unverändert. Das wichtigste Getränk im Sortiment war das «Spezli» einer einst lokalen Brauerei. Und auch Jahre nach der Einführung des Rauchverbots kann man sich die Bar bestens rauchgeschwängert vorstellen. Ihre Widerstandskraft gegenüber Trends war ihre Stärke. Jetzt geht die «Züri Bar» daran zugrunde.

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