Limmattalbahn
Die Ablehnung hat auch etwas Gutes

Nach dem Nein des Bezirks Dietikon zur Limmattalbahn wird den Behörden und Parteien in der Region vorgeworfen, mit ihrer breiten Unterstützung des Projekts am Volk «vorbeipolitisiert» zu haben.

Tobias Hänni
Tobias Hänni
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Die Gegner der Limmattalbahn sehen sich mit der Ablehnung im Bezirk bestätigt, dass die regionalen Behörden am Volkswillen «vorbeipolitisiert haben».

Die Gegner der Limmattalbahn sehen sich mit der Ablehnung im Bezirk bestätigt, dass die regionalen Behörden am Volkswillen «vorbeipolitisiert haben».

Visualisierung: Architron

Doch der Vorwurf der Gegner trifft die Sache nicht ganz. Es kommt selten vor, dass bei einer Sachvorlage der sogenannte Volkswille von Beginn an feststeht und klar erkennbar ist. Ein Grossteil der Stimmbürger bildet seine Meinung im Verlauf eines Abstimmungskampfes; viele sind bis kurz vor dem Urnengang unschlüssig — manche auch noch danach. Eine Politik, die sich im Laufe dieses Meinungsbildungsprozesses an der (wechselhaften) Stimmung in der Bevölkerung ausrichtet, nennt man Opportunismus — etwas, das vermutlich auch die Gegner der Limmattalbahn nicht als wünschenswert erachten.

Einen anderen Vorwurf müssen sich die Befürworter aber gefallen lassen: Sie haben es versäumt, den Abstimmungskampf im Bezirk mit dem Engagement der Gegner zu führen. Und sie haben es nicht geschafft, den Limmattalern die Skepsis vor dem Wachstum zu nehmen und aufzuzeigen, dass dieses unaufhaltsam ist, mit dem Gesamtverkehrsprojekt aber in richtige Bahnen gelenkt werden kann — wohl im Glauben daran, dass das Projekt bei einer derart breiten politischen Unterstützung nicht scheitern kann. Damit lagen sie gesamtkantonal gesehen richtig. Das Resultat im Bezirk hinterlässt aber einen fahlen Nachgeschmack. Doch es kann auch einen positiven Effekt haben: Nämlich dann, wenn es dazu führt, dass bei der Umsetzung des Projekts die Bedenken der Bevölkerung noch stärker berücksichtigt werden.