Bildungsinitiative
Der Traum von der Gratisbildung

Die Bildungsinitiative, die kostenlosen Zugang zu allen öffentlichen Bildungsinstitutionen von der Primarschule bis zur Hochschule fordert, hat im Zürcher Kantonsrat Schiffbruch erlitten: Eine klare Mehrheit empfiehlt sie dem Volk zur Ablehnung.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Schulen sollen im Kanton Zürich gratis werden. Das verlangt die Bildungsinitiative.

Schulen sollen im Kanton Zürich gratis werden. Das verlangt die Bildungsinitiative.

Keystone

In einer idealen Welt, in der immer so viel Geld da wäre, wie man gerade brauchte, wäre die Initiative durchaus sinnvoll. Es brächte tatsächlich mehr Chancengleichheit, wenn Geld beim Zugang zu Bildungsinstitutionen gar keine Rolle spielte. Dass sozial Benachteiligte es schwieriger haben, auf der Bildungsleiter nach oben zu klettern, zeigt ein Blick in die Bildungsstatistik: Im wohlhabenden Uitikon lag die Maturitätsquote 2008-2013 über 36 Prozent, in den deutlich weniger wohlhabenden Städten Schlieren und Dietikon unter 10 Prozent. Was spricht also gegen den Traum von der Gratisbildung?

Vor allem eines: Mit dem heute bestehenden Stipendiensystem können gezielt diejenigen in ihrer Bildungslaufbahn finanziell unterstützt werden, die wirklich darauf angewiesen sind. Gratisbildung für alle, wie sie den Anhängern der Bildungsinitiative vorschwebt, liesse sich nur zu einem hohen Preis umsetzen: Über 100 Millionen Franken würde sie den Kanton Zürich jährlich zusätzlich kosten — verteilt nach dem Giesskannenprinzip. Das heisst: Das Geld käme auch jenen zugute, die ohnehin schon genug haben. Ein erheblicher Teil davon würde also verpuffen, ohne die Chancengleichheit zu erhöhen. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.