Kolumne
Der Pflasterstein auf dem Pult

Wie bekloppt darf Marketing eigentlich sein?

Jürg Krebs
Jürg Krebs
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Per Post: Der besagte Pflasterstein der Caritas.

Per Post: Der besagte Pflasterstein der Caritas.

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Pflastersteine sind in ihrer geworfenen Form ein Symbol des Widerstands. Am Montag war ich zum ersten Mal in meinem Leben Adressat eines solchen Pflastersteins. Aber keine Angst, ich blieb unverletzt.

Geworfen hat ihn die Caritas. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Die Caritas, bekannt für ihre guten Dienste am Mitmenschen. Der Stein des Anstosses misst 9 Zentimeter in der Breite und jeweils 8 Zentimeter in der Höhe und Tiefe. Er wiegt gegen 2 Kilogramm. Er ist von hellgrauer Farbe, mit weissen Sprenkeln. Die Geologie kennt ihn unter dem Namen Quarzstein. Und eben ein solcher knallte Montagmorgen auf mein Pult.

Zugegeben er wurde nicht durchs Fenster geschmissen, er kam mit der Post, als Päckchen, in Holzwolle gekleidet. Gleichwohl rumpelte das Päckchen auf den Tisch, kein Wunder bei dem Gewicht. Die Botschaft – auf einen grauen Karton gedruckt und mit einer Schnur am Stein befestigt – lautete: «Das Richtige tun ist leichter». Und weiter: «Dieser Pflasterstein wurde durch Guber Natursteine AG, Alpnach, in der Schweiz unter fairen Arbeitsbedingungen abgebaut und Caritas gratis zur Verfügung gestellt.»

Das ist ja schön und gut, denke ich – auch ich freue mich über faire Arbeitsbedingungen und Schweizer Qualitätsarbeit. Das tue ich aber auch ohne diesen Pflasterstein. Was mir mehr zu denken gibt, ist: Wie werde ich diesen Steinbrocken nun wieder los? Im Abfalleimer ist er fehl am Platz. Als Briefbeschwerer ist er zu klobig. Am liebsten aber würde ich ihn zurückschmeissen, als Zeichen des Widerstands gegen solch abstruse Ideen von Marketingleuten.

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