Leitartikel
Der Goldschlägi-Ausbau ebnet der Stadt den Weg zu einem besseren Image

Ein Stadtzentrum mit Ausstrahlung, eine Mitte, die zum Verweilen einlädt – das ist es, was sich die Schlieremer Stadtregierung in ihrem neuen Leitbild zum Ziel gesetzt hat.

Florian Niedermann
Florian Niedermann
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Die Goldschlägistrasse.

Die Goldschlägistrasse.

Beobachtung Schlieren

Velofahrer, Flaneure sowie der öffentliche Verkehr sollen das Bild dort prägen, nicht mehr aber Autos und Lastwagen. Damit der Transitverkehr im Zentrum eingeschränkt werden kann, will die Stadt ihn östlich und westlich des Zentrums umleiten. Am 30. November befinden die Schlieremerinnen und Schlieremer nun an der Urne über einen Kredit von 6,5 Millionen Franken, mit dem die Goldschlägistrasse zur Verbindungsachse zwischen Badener und Bernstrasse ausgebaut werden soll. Dabei entstünde zwar nur ein kurzes Stück neue Strasse, doch dieses würde den Verkehrsfluss in der Stadt nachhaltig beeinflussen.

Im Stadtzentrum plant der Kanton Zürich anstelle des heutigen zweispurigen einen einspurigen Verkehrskreisel. Über ihn sollen ab 2019 Autos, die Limmattalbahn und Busse zirkulieren. Die Bekanntgabe dieser Pläne sorgte in bürgerlichen Kreisen und beim Gewerbe für rote Köpfe: Sie befürchteten, dass es im Zentrum zum Verkehrschaos kommt.

Die Lösung für das Problem besteht darin, den Durchgangsverkehr von der Zürcher-/Badenerstrasse auf die Bernstrasse umzuleiten. Dort will der Kanton auf Drängen von Limmattaler Kantonsräten die Kapazitäten erhöhen, bevor die Limmattalbahn gebaut ist. Der Verkehr soll dann ausserhalb des Zentrums zur Bern-/Überlandstrasse gelangen: Als Verbindungsachsen dienen im Osten die bestehenden Brücken Hermetschloo und Gasometer, im Westen die geplante verlängerte Goldschlägistrasse. Diese muss die Stadt selbst ausbauen, weil es sich um eine kommunale Strasse handelt. Der Stadtrat erwarb deshalb drei Parzellen, über welche die Verlängerung der Strasse führen soll. Die 3,8 Millionen für die Landkäufe sind im 6,5-Millionen-Kredit enthalten. Der Kanton steuert 1,1 Millionen bei.

Bei der Umsetzung des Projekts steht die Exekutive unter Zeitdruck. Denn: Bevor der Kanton 2017 voraussichtlich mit dem Bau des Zentrumskreisels und der Limmattalbahn beginnt, will er die ersten flankierenden Massnahmen an der Hallerkreuzung auf der Bern-/Überlandstrasse und der Schönenwerdbrücke vornehmen. Diese Projekte sind auf 2015 terminiert. Bis dann muss die Goldschlägistrasse ausgebaut sein, damit sie zur Verkehrsverlagerung dienen kann.

Deshalb hat sich der Quartierverein Schlieren bei der Vorberatung im Parlament gegen das Vorhaben gestellt. Er befürchtet, dass die Badenerstrasse während des Baus der kantonalen Projekte vom umgeleiteten Verkehr überlastet wird. Ausserdem ist dem QVS das Projekt zu teuer. Alle anderen Parteien haben die Ja-Parole beschlossen.

Damit beweisen sie Weitsicht: Denn es ist kaum zu verhindern, dass es während der Umsetzung der flankierenden Massnahmen des Kantons kurzfristig zu Mehrverkehr auf umliegenden Strassen kommt. Der Ausbau der Goldschlägistrasse dient jedoch nicht nur dazu, diesem eine Ausweichroute zu schaffen. Die Stadt Schlieren zieht daraus einen nachhaltigen Nutzen. Denn: Die neue Verbindungsachse ermöglicht die Verlagerung des Verkehrs aus dem Zentrum. Sie ist damit eine Voraussetzung dafür, dass Schlieren eine freundliche Mitte erhält – und damit das Image einer Autostadt loswird.