Kommentar
Der falsche Ansatz

Auf dem beschleunigten Asylverfahren, welches das Staatssekretariat für Migration (SEM) in Zürich testet, ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation.

Jürg Krebs
Jürg Krebs
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Die Bedingungen angleichen (Symbolbild)

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Keystone

Diese will zwar ein Hort der Humanität bleiben, damit aber gut schweizerisch nicht gleich übertreiben. Auf dem beschleunigten Asylverfahren, welches das Staatssekretariat für Migration (SEM) in Zürich testet, ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation.

Diese will zwar ein Hort der Humanität bleiben, damit aber gut schweizerisch nicht gleich übertreiben. Gestern meldete das SEM aus Zürich-West, dass sich das Verfahren, das alle beteiligten Akteure vereint, bewährt hat.

Die positive Zwischenbilanz mag erstaunen angesichts der grossen Erwartungen.

Die einen versprechen sich von einem beschleunigten Asylverfahren eine abschreckende Wirkung. Die anderen wollen ein Asylverfahren, das nicht nur rasch, sondern auch rechtsstaatlich korrekt abläuft. Und ja, es wäre schön, wenn das Ganze weniger kosten würde, so der Bundesrat zuletzt. Die gute Nachricht der Zwischenbilanz: Das alles ist machbar.

Nur, erreicht ist damit wenig. Wogegen die Kritiker des Schweizer Asylwesens ankämpfen, hat mit einem neuen Verfahren und dem Schutz klassischer Flüchtlinge nämlich nur am Rande zu tun. Über 170 000 Menschen sind 2014 über das Mittelmeer alleine nach Süditalien gelangt – viermal so viele wie 2013. Ein Teil davon drängt in die Schweiz. Die meisten dieser Menschen sind nicht an Leib und Leben bedroht, sie suchen bessere Lebensbedingungen. Deshalb ist das beschleunigte Asylverfahren der falsche Ansatz.

Eine schnelle Rückführung löst die Ursache für deren Flucht nicht: Europas enormes Wohlstandsgefälle gegenüber dem Orient und Afrika. Die Hoffnungen der Nation sollten also weniger in einem beschleunigten Asylverfahren liegen, als in einer weltweiten Politik, die Flüchtlingsströme verhindert. Auch dazu kann die Schweiz einen effizienten und fairen Beitrag leisten.