Zürich
Der Fall Mörgeli bleibt ungeklärt

War die Entlassung von Christoph Mörgeli ein abgekartetes Spiel? Ein Komplott, wie Mörgeli und seine SVP-Parteikollegen immer wieder behaupteten? Ein Komplott, in dem SP-Regierungsrätin Regine Aeppli eine zentrale Rolle spielte?

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Bildungsdirektorin Regine Aeppli: ihre Immunität wird nicht aufgehoben

Bildungsdirektorin Regine Aeppli: ihre Immunität wird nicht aufgehoben

KEYSTONE

Die Frage bleibt nun wohl ungeklärt. Denn der Kantonsrat hat gestern die Aufhebung von Aepplis Immunität abgelehnt. Damit sind der Justiz die Hände gebunden. Ermittlungen gegen die scheidende Zürcher Bildungsdirektorin kann sie jetzt nicht aufnehmen. Aeppli, die ihren Rücktritt längst bekannt gegeben hat, wird im Mai mit juristisch weisser Weste in den Ruhestand gehen.

Dabei hat die bisherige Aufarbeitung des Falls Mörgeli durchaus Ungereimtheiten ergeben: Die kantonsrätliche Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit (ABG) warf Regine Aeppli vor, bei Christoph Mörgelis Entlassung durch die Universität Zürich Kompetenzüberschreitungen begangen zu haben.

Der damalige Uni-Rektor Andreas Fischer verstand Aepplis Äusserungen in der fraglichen Sitzung vom 17. September 2012 als Befehl, Mörgeli zu entlassen. Auch die Tatsache, dass die «Schweiz am Sonntag» Mörgelis Entlassung bereits ankündigte, bevor diese formell ausgesprochen war, zählt zu den Ungereimtheiten in der Affäre Mörgeli.

Mag sein, dass auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Aeppli keine Klärung bringen würden. Was den vermeintlichen Entlassungs-Befehl betrifft, steht Aussage gegen Aussage. Und was die frühzeitige Entlassungs-Schlagzeile der «Schweiz am Sonntag» angeht, kann sich die Zeitung zu Recht auf den Quellenschutz berufen.

Dennoch: Um der Legendenbildung entgegenzuwirken, wäre eine Aufhebung von Regine Aepplis Immunität hilfreich gewesen. Zwar ist es durchaus von allgemeinem Interesse, dass Regierende nicht für jede unbedachte Äusserung gleich strafrechtlich belangt werden können.

Doch so wie es jetzt aussieht, wird sich Mörgeli auch in Zukunft als Märtyrer darstellen können, der einem Komplott linker Kreise zum Opfer fiel. Dass am Anfang der Affäre seine ungenügenden Leistungen als Kurator des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich standen, gerät darob zunehmend in den Hintergrund.