Kommentar
Denkverbote bringen nichts

Die Mehrheitsmeinung scheint gemacht zu sein: Der Zürcher Kantonsrat lehnt die Volksinitiative für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule deutlich ab, ebenso der Regierungsrat, angeführt von Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP).

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Richtig oder falsch: Der Zürcher Kantonsrat will vorläufig nichts an Frühfranzösische und Frühenglisch ändern.

Richtig oder falsch: Der Zürcher Kantonsrat will vorläufig nichts an Frühfranzösische und Frühenglisch ändern.

Nicole NARS-ZIMMER

Allerdings fällt auf: Im Vordergrund stehen dabei oft Argumente wie der «nationale Zusammenhalt» und die interkantonale Harmonisierung des Schulsystems. Beides können durchaus Gründe sein, um am geltenden Modell mit zwei Fremdsprachen in der Primarschule festzuhalten.

Allein, die Gretchenfrage bleibt dabei ausgeklammert: Zu welchen Lernerfolgen führt es, wenn Primarschüler zwei Lektionen Englisch und zwei Lektionen Französisch pro Woche haben? Fachleute an der Front, also Lehrerinnen und Lehrer, haben diesbezüglich grosse Vorbehalte. Nicht von ungefähr waren es Zürcher Lehrerverbände, die die Volksinitiative für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule lancierten. Lehrer wissen: Lernen braucht Zeit. Und mit zwei Lektionen pro Woche ist die Zeit zum Sprachenlernen knapp. Wahrscheinlich zu knapp. Auch eine wissenschaftliche Studie der Zürcher Linguistin Simone Pfenninger ergab, dass das geltende Modell des Kurzfutter-Sprachunterrichts an der Primarschule wenig bis nichts bringt. Diese Argumente sind ernst zu nehmen. Es mag im Zuge der laufenden Harmonisierungsbestrebungen äusserst unpraktisch sein, am geltenden Unterrichtsmodell zu rütteln. Aber Denkverbote bringen die Schule auch nicht weiter. Der Gedanke sei daher erlaubt: Frühenglisch muss nicht unbedingt sein.