Fest
Das Züri-Fäscht als Toleranz-Test

Ab heute findet in Zürich wieder das grösste Volksfest der Schweiz statt.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Züri Fäscht: Grosses Gedränge wird erwartet.

Züri Fäscht: Grosses Gedränge wird erwartet.

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Natürlich kann man sich über das Züri-Fäscht aufregen: Dieses Gedränge! Der Lärm der Flugshows! Die Massenpanik-Gefahr! Der Uringestank, der sich unweigerlich ausbreitet, wenn zwei Millionen Menschen über drei Tage hinweg ein Festareal in Beschlag nehmen, das die halbe Innenstadt umfasst! Zu wenig WCs! Zu viel schlechte Musik! Zu viele Aargauer! (Sorry.) Und dann diese gigantomanischen Feuerwerke: Verpulvertes Geld, jetzt auch noch mit erhöhten staatlichen Subventionen! Muss das sein? Natürlich nicht. Zürich kommt auch gut ohne das Züri-Fäscht aus, das ja nur alle drei Jahre stattfindet. Oder war die Stadt letzten Sommer etwa nicht lebenswert?

Und doch: Alle drei Jahre ein Fest für die ganze Bevölkerung inklusive zugewandte Orte, aus dem sich jeder herauspicken kann, was ihm gefällt – das darf schon sein. Das soll sein. Das grosse Volksfest, an dem alle irgendwie teilhaben, und wenn sie auch nur vom Balkon aus das Feuerwerk über dem See bestaunen, hat etwas Verbindendes. Nicht, dass sich dadurch die Anonymität der Grossstadt überwinden liesse. Aber dieses Zusammentreffen von Menschen, die sonst in verschiedensten Szenen oder Arbeitswelten aneinander vorbeileben, macht für einmal ein gemeinsames Lebensgefühl greifbar. Der Mensch lebt auf, wenn er das Leben geniesst. Und wenn viele Menschen zu diesem Zweck zusammenkommen, ist das eben ein Fest. Es erinnert auch daran, dass wir Toleranz brauchen, um das Leben geniessen zu können. Toleranz gegenüber anderen Menschen, Kulturen und Geschmäckern. Toleranz
gegenüber dem eigenen Menschsein.